Berlin : Hirte aus Bronze

Lothar Heinke

wundert sich über die Pläne für ein Papst-Denkmal Die Zeit rast dahin, aber Wichtiges soll nicht vergessen sein. Zu diesem Behufe hat der liebe Herrgott einst das Denkmal erfunden. Da kommen bedeutende Menschen drauf, und wenn wir dran vorübergehen, möchten die sagen: Hey, Moment! Denk mal. An mich. Und überhaupt. Jetzt will die polnische katholische Gemeinde in Berlin ein Denkmal für den im April verstorbenen Papst Johannes Paul II. haben. Priester Jacek Pajewski möchte, dass sein Landsmann zwei Meter hoch, aus Bronze sein soll und „in Bewegung, den Menschen zugewandt“ dargestellt, also richtig lieb, und segnen soll er uns auch, mit der rechten Hand, während die linke den Hirtenstab trägt. Ein Bildhauer in Krakau ist auch schon gefunden, und ebenso ein Ort: zwischen der Sankt-Johannes-Basilika in Kreuzberg, dem Zentrum der polnischen Gemeinde, und der nahen Vertretung des Vatikans. Aber in Zeiten, da man in dieser Stadt neuerdings sehr vorsichtig mit Denkmälern umgeht, sie weidlich nach Sinn und Inhalt abklopft, darf auch gefragt werden, was der Bronze-Papa kostet und woher die nötige Euro- oder Zloty-Gabe kommen mag. Der Priester sagt bloß: „Fragen Sie mich nicht. Ich weiß nicht.“ Doch Heilige müssen ja Wunder bewirken – und heilig gesprochen werden soll der entschlafene Papst bekanntlich so bald als möglich.

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