Berlin : Historiker kritisiert Museum

Haiko Prengel

Das Berliner Feuerwehrmuseum steht wegen seiner Ausstellung zum Reichstagsbrand in der Kritik. Der bekannte Düsseldorfer Forscher Hersch Fischler wirft der Feuerwehr vor, ihn bei der Eröffnung der Schau „Der Reichstag brennt!“ am Dienstag ausgesperrt zu haben. 200 Gäste waren dort, darunter Politiker wie Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Auch Historiker und Journalisten nahmen teil. Fischler, ein ausgewiesener Kenner der Materie, wurde der Zugang verwehrt. Offenbar wollte man keinen Streit um den brisanten Inhalt der Schau.

Fischler befasst sich seit langem mit dem Reichstagsbrand vor 80 Jahren. Seine Recherchen führten dazu, dass sich das Münchner Institut für Zeitgeschichte von der These der alleinigen Täterschaft des Niederländers Marinus van der Lubbe distanzieren musste. Diese Theorie hatte der „Spiegel“ um 1960 verbreitet. Sie hält sich bis heute, obwohl Experten etliche Indizien dagegen vorlegten. Dazu gehören Spuren von Brandbeschleunigern, die im Plenarsaal gefunden worden waren.

Die These der Alleintäterschaft wird nun in der Ausstellung des Feuerwehrmuseums wieder gestärkt. Zur Eröffnung hielt der Geschichtsautor der Welt-Gruppe, Sven Felix Kellerhoff, einen Vortrag über den mutmaßlichen Hergang des Reichstagsbrandes. Danach ging der Plenarsaal so rasch in Flammen auf, weil sich eine sogenannte Rauchgasdurchzündung mit schlagartiger Explosion ereignete. Fischler hält diese Theorie für Nonsens. „Es hat keinen Backdraft im Plenarsaal gegeben“, sagt er unter Berufung auf Akten im Bundesarchiv.

Fischler hatte sich wie andere Journalisten zu der Ausstellungseröffnung angemeldet. Die Akkreditierung sei ihm verwehrt worden, sagt er. Als Begründung habe Feuersprecher Jens-Peter Wilke erklärt, man wolle die Veranstaltung „ohne Störung“ abhalten. Gegenüber dem Tagesspiegel verwies Wilke auf die begrenzten Platzverhältnisse. Auch wisse man, dass Fischler einiges zum Thema Reichstagsbrand publiziert habe, er sei aber „kein relevanter Journalist“. Fischler prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die Berliner Feuerwehr. Haiko Prengel

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