• Historiker Winkler im Gespräch: Autonome und Faschisten: „Vergleich nur moralisch nachvollziehbar“

Historiker Winkler im Gespräch : Autonome und Faschisten: „Vergleich nur moralisch nachvollziehbar“

Der Historiker Heinrich August Winkler spricht mit dem Tagesspiegel über Innensenator Ehrhart Körtings Vergleich zwischen Autonomen und Faschisten.

Darf ein SPD-Senator linke Gewalttäter „rot lackierte Faschisten“ nennen?



Dürfen darf er, das fällt ganz klar unter das Recht der Meinungsfreiheit. Eine andere Frage ist, ob er dies tun sollte.

Und? Sollte er?

Ich würde es nicht empfehlen, weil der Begriff aus einer Zeit des latenten Bürgerkrieges stammt, die sich von der Gegenwart radikal unterscheidet.

Es war immerhin der spätere SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher, der Kommunisten 1930 als „rot lackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten“ bezeichnete.

Ja, und das war schon damals eine polemische Zuspitzung – als Reaktion darauf, dass die Kommunisten die SPD-Leute seit 1929 als „Sozialfaschisten“ titulierten.

1995 zitierte Helmut Kohl die Schumacher-Worte und löste große Empörung bei der PDS aus. Belastet Körting die rot-rote Koalition in Berlin?

Nein. Er hat ja nicht die Linkspartei „rot lackierte Faschisten“ genannt, sondern nur die autonomen Gewalttäter. Der Vergleich ist zwar wissenschaftlich nicht erhellend und historisch bedenklich, aber moralisch nachvollziehbar. Denn menschenverachtend ist diese Gewalt der sich links nennenden Extremisten allemal.

Heinrich August Winkler (70) ist einer der renommiertesten deutschen Historiker. Bis 2007 war er Professor an der Humboldt-Universität Berlin. Mit ihm sprach Sandra Dassler.

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