Berlin : „Hört auf zu diskriminieren“

Worüber die türkischen Blätter auf ihren Titelseiten berichteten

Suzan Gülfirat

Wie sehr die Geschichten von den Titelseiten der türkischen Zeitungen bis vor unsere eigene Haustür reichen, machte ein Artikel deutlich, der am Sonntag auf der Titelseite der Tageszeitung Türkiye erschien. Darin ging es um eine Kommission der türkischen Regierung, die in russischen Archiven recherchiert habe und beweisen könne, dass es keinen Völkermord an den Armeniern gegeben habe. Dazu werde es vom 18. bis zum 19. März in Berlin eine Konferenz geben, hieß es in dem Bericht. Die Überschrift dazu: „Mobilisierung gegen Armenierlüge.“

Und tatsächlich war bereits am Mittwoch zuvor in der wöchentlichen Berlin-Beilage der Hürriyet ein Bericht über die diesjährigen Aktivitäten der Türkischen Gemeinde zu Berlin erschienen. Unter anderem werde es am 18. März eine Demo geben, an der zahlreiche ehemalige Botschafter der Türkei teilnehmen würden.

Über die Demonstration vor der dänischen Botschaft am Sonnabend in Berlin berichteten die türkischen Zeitungen dagegen lediglich in längeren, bebilderten Meldungen auf den Europa-Seiten. Dazu brachten sie Überschriften wie „Friedliche Proteste gegen die Karikaturen in Deutschland“ (Milliyet) und „Sie sind gegen die hässlichen Karikaturen gelaufen“ (Türkiye).

Eine Kundgebung in Stuttgart gegen den so genannten Muslimtest, die ebenfalls am Sonnabend stattfand, war den Zeitungen weitaus wichtiger. Darüber berichteten sie auf den Titelseiten. Wie sehr das Thema aufregt, zeigten die Überschriften: „Ein Herz und eine Seele gegen Gewissenstest“, schrieb zum Beispiel die Milliyet. Die Türkiye titelte am Sonntag: „Die Anständigen wurden zu einer Einheit.“ Die Hürriyet füllte mit den Bildern von dieser Demo, an der rund 1000 Menschen teilnahmen, fast die ganze Titelseite der Europa-Beilage. „Hört auf zu diskriminieren“, hieß es dazu in der Überschrift.

Die weltweite Karikatur-Krise schaffte es am gestrigen Sonntag dagegen auf kaum eine türkische Titelseite. Hürriyet und Milliyet machten an diesem Tag den mysteriösen Tod eines ehemaligen PKK-Führers im Irak, der einige Jahre auch in Deutschland lebte, zum Aufmacher der Titelseite. Die Türkiye regte sich im Aufmacher ihrer ersten Seite über ein Kopftuchverbot in der Türkei auf. Dort hat das Oberverwaltungsgericht einer Lehrerin untersagt, auf dem Weg von und zur Schule Kopftuch zu tragen.

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