Berlin : Hoffen auf eine neue Zeit

Berliner Friedensuhr-Preis vergeben

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War es am Ende seine Uhr, die die Mauer zu Fall... ? So weit würde Jens Lorenz dann doch nicht gehen. Aber Träume würden wahr – „mit der Zeit“, sagt er. Auf das Wortspiel verzichtet der Uhrmacher trotzdem nicht, wenn er über jene Uhr spricht. Die Uhr, die sein Vater und er vor 15 Jahren erstmals öffentlich vorstellten. Seine Geschichte des 9. November 1989 ist ohne die Uhr nicht denkbar. Deshalb betont er das „mit der Zeit“ besonders.

9. November 1989. Das JuwelierGeschäft Lorenz in Friedenau feiert 115-jähriges Bestehen. Jens Lorenz’ Vater nimmt das Datum zum Anlass, das Geschäft an den Sohn zu übergeben. Außerdem stellt er an diesem Tag vor 250 Gästen eine Uhr vor, die er mit dem Sohn gefertigt hat. Eine Skulptur aus Marmor und Mechanik, drei Meter hoch, zwei Tonnen schwer. Mit den Säulen sieht sie aus wie ein antikes Portal. Dazu ist ein Spruch eingraviert: „Zeit sprengt alle Mauern“.

Es ist kurz nach 19 Uhr, als Vater Lorenz das Pendel anstößt und so die Uhr zum Laufen bringt. Seit wenigen Augenblicken ist die Zeit dabei, die Berliner Mauer zu sprengen. Wenig später geht die Kunde um von der Pressekonferenz mit Schabowski. Das stoische Ticken des Benediktiner-Uhrwerks geht fortan unter. Irgendwann, so geht die Überlieferung, soll einer der Gäste gerufen haben: „Das ist ja eine Friedensuhr, eine echte Berliner Friedensuhr!“ Diese Geschichte schien den Uhrmachern Lorenz außergewöhnlich genug, um bald 30 Zentimeter hohe Nachbildungen der Uhr anzufertigen.Eine schöne Geschichte, die genau an dieser Stelle enden könnte. Wenn nicht Menschen wie Mutter Teresa, Papst Johannes Paul, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow oder Helmut Kohl diese Nachbildungen als Auszeichnung bekommen hätten. Dafür, dass sie Hoffnung von Berlin aus in die Welt getragen haben. Mit Jens Lorenz’ Uhr-Bild könnte man sagen: die Hoffnung auf eine neue Zeit.

Die Hoffnung ist internationaler geworden. Seit 2002 verleihen der Juwelier, der Kultursenator und das Berliner Unesco-Komittee den „Berliner Friedensuhr-Preis“ gemeinsam, das Kriterium „von Berlin aus“ ist gestrichen. So nahm gestern Abend im Roten Rathaus Werner Burkart, stellvertretender Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), die Uhr in Empfang. Jener Behörde, die im Irak die Fähigkeit des Landes prüfte, Atomwaffen herzustellen.Es sei „eine große Anerkennung und Bestätigung des Mandats der IAEA“, sagte Burkart in seiner Dankesrede, während Laudator Lothar de Maizière die hohe Glaubwürdigkeit der IAEA lobte, die sich von den USA nicht habe instrumentalisieren lassen, um einen Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen.mne

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