Berlin : Hohe Verluste durch Arzneien: Krankenkassen werden teurer

Fast alle Berliner Versicherungen wollen vom kommenden Jahr an ihre Beitragssätze erhöhen / Am stärksten dreht die BKK an der Preisschraube

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Den rund zwei Millionen Versicherten in den Gesetzlichen Krankenkassen in Berlin stehen zum 1. Januar 2003 flächendeckende Beitragssatzerhöhungen bevor. Vor allem die gestiegenen Arzneimittelausgaben und die Krankenhauskosten haben den Kassen Millionendefizite beschert. Deshalb werden sie ihre Mitglieder bald über Beitragserhöhungen informieren müssen. Bis Mitte November müssen die entsprechenden Verwaltungsratsbeschlüsse stehen, damit sie von den staatlichen Aufsichtsbehörden genehmigt werden können.

Bei der Berliner AOK wird schon seit längerem über höhere Beiträge spekuliert. Gesundheitsexperten rechnen mit einem künftigen Satz von 15,4 Prozent, derzeit liegt er bei 14,9 Prozent. Auch der Vorstandsvorsitzende der AOK, Rolf-Dieter Müller, will Beitragserhöhungen nicht ausschließen. „Es kann sowohl eine Erhöhung herauskommen, als auch ein stabiler Beitrag.“ Man sei noch mitten in den Haushaltsberatungen und könne mit mehr Einnahmen rechnen (siehe Kasten). Außerdem hofft Müller auf die Reformvorschläge der Bundesregierung.

An der Preisschraube wird auch die Betriebskrankenkasse Berlin drehen müssen. Die geplatzte Fusion mit der Betriebskrankenkasse der Verkehrsbauunion (VBU) hat alle Hoffnungen auf sinkende Beiträge zunichte gemacht. Nun läuft es für die 275 000 Mitglieder auf einen kräftigen Sprung nach oben hinaus. Statt jetzt 14,4 Prozent werden sie ab Januar wohl 15,4 Prozent zahlen.

Tiefer in die Tasche werden auch die Einzahler der BKK-VBU greifen müssen. Vorstandsvorsitzende Petra Galle: „Ich kann Beitragssatzerhöhungen nicht ausschließen.“ Durch die Fusion mit der Berliner BKK hätten die Beiträge nur auf „knapp über 13 Prozent“ steigen sollen. Nach der geplatzten Fusion wachsen sie wohl stärker, weil die Kasse wegen ihrer „günstigen Mitgliederstruktur" mehr in den Risikopool für die schwächelnden Versicherungen abführen muss. Trotzdem wird die BKK-VBU eine der günstigsten Kassen in Berlin bleiben.

Das gelte für die meisten Betriebskrankenkassen, verspricht Reiner Ziebeil vom BKK-Landesverband Ost, zu dem neun Betriebskrankenkassen mit rund 250 000 Berliner Mitgliedern gehören. „Der Abstand zu den durchschnittlichen Beitragssätzen der Orts- und Ersatzkassen bleibt bei 1,5 Prozentpunkten.“ Experten halten das allerdings für eine Illusion. Wegen der Neuordnung des Risikostrukturausleichs müssten gerade die billigen Betriebskrankenkassen mit ihren meist jungen, gesunden und gut verdienenden Mitgliedern überproportional in den Risikopool einzahlen. Fachleute glauben, dass einige der Billigkassen sogar noch stärker erhöhen werden, als sie müssten. So vermeiden sie, dass sie Mitte oder Ende des kommenden Jahres noch einen Schluck aus der Preispulle brauchen. Denn jede Erhöhung führt zu einer Austrittswelle. Und deshalb sei eben ein kräftiger Schritt besserals viele kleine.

Die Ersatzkassen, wie Barmer und Technikerkrankenkasse, sind überregional organisiert. In Berlin zahlen 880 000 Mitglieder ihre Beiträge in den acht Ersatzkassen ein. Auch sie müssen sich auf höhere Beiträge einstellen. Der Bundeschef der Ersatz-Krankenkassen, Herbert Rebscher, erwartet für die Gesetzlichen Krankenversicherungen insgesamt einen durchschnittlichen Beitragsanstieg um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte.

Die 64 500 Berliner Mitglieder der Innungskrankenkasse (IKK) Berlin-Brandenburg können sich dagegen auf stabile Beitragssätze freuen. „Wir bleiben auch im Jahr 2003 bei 14,5 Prozent", verspricht IKK-Sprecherin Gisela Köhler. Ingo Bach

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