Humboldt-Uni : Große Empörung nach der Randale

Die Jüdische Gemeinde ist über die Ausschreitungen an der Humboldt-Uni entsetzt, die Schüler entschuldigten sich.

W. Kurzlechner,S. Jacobs

Am Tag nach der Randale von demonstrierenden Schülern und Studenten hat die Humboldt-Universität (HU) im Hauptgebäude aufgeräumt. Nicht einfach wegwischen lässt sich allerdings die Empörung darüber, dass in die Uni stürmende Demonstranten eine Ausstellung über jüdische Unternehmer im Nationalsozialismus demolierten. Die Universität sei bestürzt darüber, dass so etwas kurz nach dem Gedenken an die Reichspogromnacht geschehen sei, sagte HU-Präsident Christoph Markschies gestern. „Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Gewalt, auch nicht für Gewalt gegen Sachen.“ Er kündigte an, dass die Ausstellung so bald wie möglich wiederhergestellt werde. Hinzu soll eine zusätzliche Schautafel kommen, die die Zerstörung der Ausstellung dokumentiert.

Hinweise auf eine inhaltlich motivierte gezielte Zerstörung der Erinnerungsschau gab es nach Angaben der Polizei auch gestern nicht. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erklärte: „Ich kann noch nicht einschätzen, ob die Beteiligten überhaupt wussten, was sie da zerstören.“ Er erwartet, dass der Vorfall im Innenausschuss zur Sprache kommt.

Die Tafeln der Ausstellung waren den Protestierern bei ihrem Ansturm offenbar im Weg. Wie berichtet, stürmten am Dienstag etwa 1000 Schüler während einer Demonstration gegen die Bildungspolitik von Bund und Ländern in die HU, sprengten Vorlesungen und randalierten. Laut Polizei beschmierten sie die Wände, entleerten Feuerlöscher und warfen mit Toilettenpapier um sich. Die Polizei blieb gemäß einer Absprache mit dem HU-Präsidenten während der Randale vor der Tür. Gegen drei Haupttäter ermittelt die Polizei.

Dass auch Fotos der Ausstellung über jüdische Unternehmer heruntergerissen wurden und Tafeln zu Bruch gingen, hat auch außerhalb der HU Empörung ausgelöst. Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sagte der Agentur ddp, nach ihren Informationen seien auch antisemitische Äußerungen gefallen. In diesem Fall müssten die Täter so hart wie möglich bestraft werden. Die Randale seien eine Beleidigung für die Jüdische Gemeinde, so Süsskind. Die blinde Zerstörungswut zeige „die undemokratische und intolerante Haltung der extremen Linken, die wir seit 1968 kennen“, sagte Volker Kauder, CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag.

Zerknirscht über die Geschehnisse sind auch Schüler und Studenten selbst. Die verschiedenen Veranstalter wollten die Ereignisse gemeinsam aufarbeiten, sagte Lee Hielscher von der mitveranstaltenden Landesschülervertretung (LSV). „Wir müssen klären, warum sich Bildungskritik in Gewalt äußert“, so Hielscher. Im Namen der LSV habe er sich noch am Mittwoch beim HU-Präsidenten entschuldigt. In der Studentenschaft werde die Aktion ebenfalls intensiv aufgearbeitet, sagt Informatikstudent Peter Hartig. Er habe mit einem Dutzend Kommilitonen versucht, die Randalierer von den Schautafeln fernzuhalten und sie über den Inhalt zu informieren. Bei den meisten habe das gefruchtet. „Aber einigen war es schlicht egal“, so Hartig.

Inzwischen sind Reste der Schautafeln notdürftig zusammengeklebt worden.

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