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Humboldtforum : Denkmalschützer halten Stadtschloss für überflüssig

Einen "faulen Kompromiss" nennt die Stiftung Denkmalschutz die aktuellen Pläne für das Berliner Stadtschloss. Statt "Bauten ohne Identität" zu errichten, solle man das Geld lieber für bestehende Denkmäler verwenden.

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Alles nur Fassade - findet zumindest die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
Alles nur Fassade - findet zumindest die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.Foto: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Gottfried Kiesow spricht sich für einen Stopp der aktuellen Planung für das Berliner Schloss aus. „Nur drei Seiten historisch, die vierte modern – das ist ein fauler Kompromiss“, sagte er am Montag. Er habe Verständnis dafür, dass einige das Stadtschloss zurück haben wollten, so Kiesow weiter. Dann sollte aber ähnlich wie bei der Frauenkirche in Dresden oder dem Königsschloss in Warschau das Original rekonstruiert werden.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist mit 190 000 Stiftern und Spendern die „größte Bürgerinitiative zum Denkmalschutz“: Rund 430 Millionen Euro wurden bis heute in Baudenkmäler investiert. In Berlin will die Stiftung die Restaurierung der Originalskulpturen finanzieren, die Andreas Schlüter für das Schloss geschaffen hatte. Diese sollen nach gegenwärtiger Planung in einem „Lapidarium“ im Keller des Neubaus untergebracht werden. An dieser Zusage will Kiesow festhalten, unabhängig von der Entscheidung, in welcher Form das Schloss errichtet wird.

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Dennoch lässt der Denkmalpfleger und Ehrenbürger unter anderen von Stralsund, Wiesbaden und Wismar kein gutes Haar an den Plänen des Architekten Franco Stella für das Stadtschloss: Eine „Seuche“ nennt Kiesow den gegenwärtigen Trend zu Teilrekonstruktionen von Baudenkmälern und vergleicht die Pläne für das Berliner Schloss mit der stark umstrittenen Nachbildung eines Barockbaus in Braunschweig, in dem ein Elektronikdiscounter residiert. Statt Bauten „ohne Identität“ wie diese zu errichten, sollte eher eine Denkpause eingelegt werden und „das viele viele Geld“ für die Sanierung noch bestehender Baudenkmäler eingesetzt werden. Als Beispiel nennt Kiesow das Schloss Prötzel nahe Straußberg, dessen Pläne von Bauhistorikern auch Schlüter zugeschrieben werden.

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