Humboldtforum : Der passende Rahmen fürs Schloss
14.09.2012 14:07 UhrInterpretationen sind gefragt
Ähnlich argumentiert Lüscher im Streit um den Verbleib jener Großskulpturen, die einmal nördlich des Schlosses den Lustgarten begrenzten: die Rossebändiger. Diese stehen heute im Schöneberger Kleistpark. Und auch „das ist Teil der Nachkriegsgeschichte, denn dort hatte der alliierte Kontrollrat seinen Sitz“, sagt sie. So besehen, sind auch diese von Krieg und Wiederaufbau geprägten Orte historisch aufgeladen. Eine Rückkehr der Werke an ihren ursprünglichen Platz wäre – jedenfalls symbolisch – eine Restauration.
Einen solchen Versuch hatte allerdings nicht einer der Teilnehmer am bereits abgeschlossenen Wettbewerb des Kulturkreises der Wirtschaft zum selben Thema im Sinn. Die teilnehmenden Studenten ließen indes auch historische Bezüge außer acht. Dafür widmeten sich viele besonders der früheren „Rückseite“ des Schlosses. Die zum Marx-Engels-Forum ausgerichtete Front ist auch für Lüscher von „herausragender Bedeutung“. Weil sich das Humboldtforum dort am stärksten zur Stadt öffne und das Gebäude dort außerdem „in intensive Beziehung zur Spree tritt“.
Und die Südfront des Gebäudes, von dessen Balkon aus Karl Liebknecht die Republik ausrief? Und der Schlossplatz, wo sich 1848 die Märzrevolutionäre versammelt hatten? Gefragt sei hier „eine Interpretation, wie sich das Humboldtforum auf die Stadt und die Gesellschaft öffnet“. Der Schlossplatz müsse ferner über die Breite Straße mit der südlich gelegenen mittelalterlichen Stadt verbunden werden – bis zum Petriplatz hinunter, wo das Archäologische Zentrum entsteht.
Und weil im Norden, wo einmal die Schlossterrassen waren, nun doch kein Wartungsstreifen für Reinigungskolonnen frei gehalten werden muss, könnten auch dort historische Bezüge zum Lustgarten jedenfalls räumlich aufleben. Dem westlich gelegenen Haupteingang schließlich, mit dem Einheitdenkmal gegenüber, misst Lüscher „repräsentativen Charakter“ bei.


















