Humboldthafen : Schiffe sollen Öde am Hafen beleben

Der Hauptbahnhof ist weiter von Provisorien umgeben. Ähnlich unfertig sieht es rings um den Humboldthafen aus. Der Verein Historischer Hafen Berlin will dies ändern.

Klaus Kurpjuweit

Be Berlin. Wer den Hauptbahnhof verlässt, den die Bahn nach wie vor für den modernsten weltweit hält, stößt auch fast dreieinhalb Jahre nach der Eröffnung der Station auf öde Vorplätze, verlotterte Flächen – und viel Müll. Mitten im Zentrum, am Rand des Regierungsviertels. Um wenigstens den benachbarten Humboldthafen attraktiver zu machen, will der Verein Historischer Hafen Berlin dort wieder alte Schiffe ankern lassen. Im Konzept der Stadtentwicklungsverwaltung ist ein historischer Hafen aber nicht vorgesehen.

Die Vorplätze am Hauptbahnhof zeigen sich immer noch als Provisorium, weil die dort vorgesehenen Neubauten auf sich warten lassen. Arbeiten auf dem südlichen Washingtonplatz, für dessen Anlage es einen Wettbewerb gegeben hatte, ließ die Stadtentwicklungsverwaltung 2007 stoppen, weil sich abzeichnete, dass auch dort ein Neubau entstehen könnte. Daraus ist bisher aber nichts geworden; nur ein Hotel ist – am Rand des Platzes – in die Höhe gewachsen.

Ähnlich unfertig sieht es rings um den Humboldthafen aus. Die Uferstreifen sind unbefestigt und von Müll übersät. Oder durch einen Bauzaun abgesperrt. Darüber spannt sich die mit einem Preis ausgezeichnete Bahnbrücke. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Leben am Ufer gibt es nur bei Veranstaltungen im Traumtheater Salome oder durch die Schau Sandsation, die jedoch gestern endete.

Auch hier hält sich die Stadtentwicklungsverwaltung zurück, das Gelände zu gestalten. Zunächst sollen hier Häuser entstehen – geht es nach dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), auch eine privat finanzierte Kunsthalle. Obwohl Berlin schon auf mehreren Immobilienmessen für die Anlage geworben hat, ließ sich noch kein Finanzier finden; das Gelände bleibt, wie es ist: trostlos.

Karl Manfred Pflitsch, Vorstand beim Verein Historischer Hafen, fordert deshalb eine Zwischennutzung. Fünf bis acht alte Schiffe könnten im Humboldthafen festmachen und für Gastronomie und Ausstellungen genutzt werden. Von 1990 bis 1994 lagen einige bereits dort. Sie mussten dann aber wegen der Bauarbeiten für den Hauptbahnhof weichen.

Die Geh-, Fahr- und Grünflächen um das nördliche Hafenbecken sollten sofort instand gesetzt werden, forderte der Verein am Sonntag bei einer Demonstration am Hafen. Zudem solle endlich die seit Jahren geplante Anlegestelle für die Personenschifffahrt gebaut werden. Im Zentrum vom Bahnhof direkt auf das Schiff umsteigen zu können, sei in Europa fast einmalig, hatten die Industrie- und Handelskammer, die Stern- und Kreisschifffahrt sowie der Reederverband bereits 2002 geworben. Klaus Kurpjuweit

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