Hundekot : Bezirke starten Aktionswoche

Berlin versucht, den allgegenwärtigen Hundekot in den Griff zu kriegen. Zuerst starten die Ordnungsämter eine Info-Kampagne, um an die Verantwortung der Hundebesitzer zu appellieren.

Berlin - Es gibt Ecken in Berlin, die der Tourist nur mit aufmerksamem Blick auf den Gehweg und im "Zickzack-Kurs" durchwandern sollte. Sonst wird er aufgrund einer stinkenden, bräunlichen Masse im Schuhprofil oft länger an seinen Hauptstadtbummel erinnert, als ihm lieb ist. Unzählige Hundehäufchen pflastern teilweise ganze Straßenzüge. Doch nur die wenigsten Herrchen und Frauchen kümmern sich um deren Beseitigung.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) kennt die Ausreden der Hundebesitzer genau: Er habe wirklich nicht bemerkt, dass sein Tier gerade das "große Geschäft" auf dem Gehweg verrichtet habe. Der Hund gehöre ihm nicht, die Anhänglichkeit und das freundliche Schwanzwedeln seien unerklärlich. Der Kampf gegen den Hundekot auf den Straßen, Gehwegen und Plätzen ist aus seiner Sicht ein "Kampf gegen Windmühlenflügel". Oft hätten die Hundebesitzer auch eine "Alibi-Tüte" für den Hundekot in der Tasche, nur um sie den Mitarbeitern des Ordnungsamts bei Bedarf vorzuzeigen.

Täglich 55 Tonen Kot

Mit einer Aktionswoche wollen die Ordnungsämter ab Montag erstmals gemeinsam an das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter appellieren. Plakate sollen aufgehängt, Tausende Tüten verteilt und Hundebesitzer direkt angesprochen und informiert werden. Täglich fallen in der Hauptstadt rund 55 Tonnen Hundekot an. Rund 100.000 Hunde sind offiziell gemeldet. Nach Schätzungen gibt es jedoch mindestens doppelt so viele Hunde in Berlin.

Auch in anderen deutschen Städten ist die Verschmutzung durch Hundekot nach Angaben des Deutschen Städtetages ein großes Problem und Ärgernis - nicht zuletzt auch aus Kosten- und hygienischen Gründen. Insgesamt gibt es in Deutschland über fünf Millionen Hunde. Der Hundehalter ist verpflichtet, die Exkremente seines Tieres zu entfernen. "De facto tut er es aber nicht", sagt der Sprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR), Bernd Müller. Dabei gebe es in der Hauptstadt sogar mehr Papierkörbe als in jeder anderen deutschen Stadt - über 20.000 Stück. Da wäre es ein Leichtes, die Exkremente dort zu entsorgen. Die BSR sei in zahlreichen Straßenzügen täglich unterwegs und beseitige die Hundehaufen zusammen mit dem Straßenkehricht.

Gefahren für Mensch und Tier

Doch ein Hund muss meist mehrmals am Tag sein Geschäft verrichten. Durch den Kot könnten auch Parasiten übertragen werden, sagt Sabine Heidrich-Joswig, Ordnungsamtsleiterin in Neukölln und Amtstierärztin. Problematisch seien beispielsweise verunreinigte Spielplätze. Nicht nur Kinder könnten sich dort leicht infizieren. Hunde, die an den "Hinterlassenschaften ihrer Artgenossen" schnuppern oder lecken, tragen die Krankheitserreger schnell weiter.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) begrüßt Aktivitäten wie die Berliner Aktionswoche ausdrücklich. Die Interessenvertretung appelliert selbst an die Hundehalter, ihre Tiere gut zu erziehen, sich selbst auch sozial zu verhalten und die Häufchen ihrer Hunde zu entsorgen. Aus Sicht von Bürgermeister Buschkowskys ist jedoch genau dies in Großstädten ein Problem. Die soziale Kontrolle sei zu schwach ausgeprägt, sagt er. Zudem sei der "Verfolgungsdruck" zu gering. Die meisten Bußgeld-Verfahren müssten eingestellt werden, weil es schwer sei, "Hundehaufen, Hund und Hundehalter einander eindeutig zuzuordnen". (Von Romy Richter, ddp)

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