Berlin : Hundesteuer: Tierärzte schlagen Besteuerung nach Gewicht vor

Werner Schmidt

Die Berliner Tierärztekammer schlägt eine gewichtsabhängige Besteuerung von Hunden mit einem Gewicht von mehr als 20 Kilo vor. Den Höchststeuersatz sollten die Halter zahlen, deren Tieren eine erhöhte Aggressivität und Gefährlichkeit nachgewiesen werden könne, sagte Kammerpräsident Klaus Lüdcke gegenüber dem Tagesspiegel. Gleichzeitig sollte eine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht eingeführt werden. Die Kennzeichnung könnte entweder durch die jeweilige Versicherung erfolgen oder durch das Veterinäramt des Wohnbezirks.

Rigoros wollen die Tierärzte mit Hunden umgehen, die jemanden gebissen haben: sofortige Kastration und in schweren Fällen Tötung des Tiers, sofern es sich als nicht therapierbar erweise. Ein Hund sollte erzogen sein und sich unterordnen, denn "die Fähigkeit zur Unterordnung eines Hundes ist absolute Voraussetzung für seine ordnungsgemäße Haltung in der Großstadt".

Für kleine Hunde und deren Halter sehen die Tierärzte dagegen Erleichterungen vor. So sollten diese Tiere von der Steuerpflicht ausgenommen werden und keinem generellen Leinen- und Maulkorbzwang unterworfen werden. Gleichzeitig sollten an den Schulen Informationsveranstaltungen über Hundehaltung stattfinden. Themen könnten beispielsweise Tierschutz, Tierverhalten und die Bedeutung des Hundes für den Menschen sein.

Seit Anfang Juli die Hundeverordnung in der Stadt verschärft wurde, stellte die Polizei fast 80 Tiere sicher. Wegen so genannten Hundealarms rückten die Funkwagen 1350 Mal aus, und die speziell geschaffenen Interventionsteams hatten über 90 Einsätze. Die Tierärztekammer distanziert sich "von den unvernünftigen, verantwortungslosen Mitmenschen, die meinen, mit einem Hund als Waffe in der Gesellschaft einen besseren Stand zu haben". Gefordert wird in diesem Zusammenhang "die harte Hand der Polizei gegen diejenigen, die das Zusammenleben in der Stadt gefährden".

Klaus Lüdcke sieht aber auch die Gefahr, dass Berlin seinen Ruf als hundefreundlichste Stadt Deutschlands verliert, wenn "Dackel und andere harmlose Familienhunde bespuckt oder mit Steinen beworfen werden". Er wünscht sich auch ein Ende der Diskriminierung von Hundehaltern: "Viele Hundebesitzer, die jahrelang ihre Tiere vernünftig, menschenfreundlich und vor allem stadtverträglich gehalten haben, trauen sich mittlerweile kaum noch auf die Straße." Die Mehrzahl der sogenannten Kampfhunde sei sozialverträglich, die meisten seien sogar sehr liebebedürftig. Allerdings sei ein Tier, das einmal auf Aggression trainiert wurde, nicht umzutrainieren, sagt der Tierarzt.

Probleme bereiten Lüdcke zufolge besonders große Hunde, also Tiere, die ausgewachsen mehr als 20 Kilo auf die Waage bringen. Die Zahl der Halter, die ungenügende Erfahrungen und Fachkenntnisse im Umgang mit Hunden hätten und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nähmen, sei gestiegen.

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