Hundeverbot am Schlachtensee : Ohne Wau-Effekt

Seit dem 15. Mai gilt das Hundeverbot am Schlachtensee. Kontrolleure werden es schwer haben. Nach der Demonstration am Himmelfahrtstag haben sich die Gemüter noch nicht beruhigt.

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Beinchenarbeit. Am Schlachtensee ist der Streit um das Hundeverbot mittlerweile uferlos. Foto: Gregor Fischer/dpa
Beinchenarbeit. Am Schlachtensee ist der Streit um das Hundeverbot mittlerweile uferlos.Foto: Gregor Fischer/dpa

Die Kontrolleure des Ordnungsamtes sind in nächster Zeit am Schlachtensee und an der Krummen Lanke nicht zu beneiden. Sie werden es schwer haben. Zum Beispiel bei Pensionär Otto Ganz, 80 Jahre alt, der Freitagvormittag in aller Seelenruhe am Südufer des Schlachtensees mit seinem Cairn Terrier Tiffi spazieren geht, obwohl dort seit frühmorgens das generelle Hundeverbot gilt – egal, ob mit oder ohne Leine. Otto Ganz wohnt um die Ecke. „Das ist hier meine traditionelle Runde“, sagt er, „seit vielen Jahren. Man kann mich doch jetzt nicht auf den Höhenweg vertreiben.“ Zeigt auf die Leine. „Ich lass’ ihn ja nicht los, wen soll das denn stören?“

Schilder an Zugangswegen verkünden neue Regelung

Am Himmelfahrtstag demonstrierten wie berichtet mehr als 700 Hundehalter gegen das von Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) erlassene Hundeverbot auf den Uferwegen beider Seen. Freitagfrüh verkündeten aber trotz allen Aufbegehrens frisch montierte Schilder an mehreren Zugangswegen die neue strikte Regelung des Bezirk. Rot sind darauf alle Wege direkt an den Ufern beider Seen eingefärbt, die grünen Strecken („für Hundehalter“) führen dagegen in der Höhe um beide Gewässer entlang.

Gabriele Wanders (45) vom nahen Mexikoplatz steht mit ihrem angeleinten Pudel davor und ärgert sich. Sie gehe heute ihre gewohnte Seerunde mit dem Gefühl „ich bin im Kriegszustand“, sagt sie. Dann läuft sie los zum Seeufer an der Fischerhütte. „Wenn jemand von mir Bußgeld verlangt, nehm’ ich das in Kauf.“ Sie versteht nicht, „warum der Bezirk die Atmosphäre hier derart unverhältnismäßig aufheizt, anstatt einfach eine generelle Leinenpflicht als Kompromiss für beide Seiten durchzusetzen“.

Kontrolleure waren bis zum Nachmittag nicht unterwegs

Am Freitag hielt sich das Ordnungsamt Steglitz-Zehlendorf allerdings noch zurück. Bis zum frühen Nachmittag waren keine Kontrolleure an den Ufern unterwegs. Stadträtin Markl-Vieto (siehe Interview) suchte stattdessen den Dialog mit den Bürgern. Sie kam zu Infoständen des Bezirks an den Seezugängen und warb für ihre Konfliktlösung. „Viel Positives“ habe sie dabei gehört, zog Markl-Vieto später Bilanz. Zahlreiche Menschen seien erleichtert, „dass Hunde in der Badesaison nicht mehr über ihre Handtücher rennen können oder sie als Jogger anspringen.“ Zugleich bekräftige die Stadträtin ihren „Einsatz für die Wasserqualität“. Die Geschäfte von Hunden würden zu nachlässig beseitigt. „Wenn sie am Ufer pinkeln und Haufen machen, wird das teils ins Wasser geschwemmt und verunreinigt zunehmend die Seen.“

Das hält aber zumindest am Freitagvormittag die Mehrheit etlicher befragter Spaziergänger und Jogger ohne Hund für übertrieben. Sie weisen darauf hin, dass die Wasserqualität von Schlachtensee und Krummer Lanke bislang als „ausgezeichnet“ gilt – „trotz der Hunde“. Und Wanderer Winfried Neuser aus Steglitz, ohne Hund unterwegs, regt sich zwar immer wieder über Hundehalter auf, die „ihre Tiere auf Schwäne oder Reiher loslassen“. Doch er versteht, „dass Hundefreunde nicht ohne ihre Schnauzen spazieren gehen“ und findet, „wegen der schwarzen Schafe unter den Frauchen und Herrchen sollte man doch nicht alle Menschen mit Hund vertreiben, darunter seien ja auch viele Familien und Ältere. Außerdem habe er schon viele Leute ohne Hund beobachtet, „die sich amüsierten, wenn die die Vierbeiner Stöckchen im Wasser holten“. Das gehöre auch zum Grunewald und Berlin.

Der Streit aber wird sich weiter verschärfen. Die Hundeinitiativen kündigen Klagen an. Stadträtin Markl-Vieto sagt: „Ich sehe das gelassen.“

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