Hypnose beim Zahnarzt : Geschichten aus der Trance

Manche gehen jahrelang nicht zum Zahnarzt– aus Angst vor Schmerzen. Behandlung unter Hypnose kann für sie die Lösung sein. Ein Besuch in Zehlendorf.

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Hypnosezahnärztin Elisabeth von Mezynski in ihrer Praxis.
Hypnosezahnärztin Elisabeth von Mezynski in ihrer Praxis.Foto: Mike Wolff

Die Lehne des Zahnarztstuhls senkt sich, langsam surrt die Fußstütze empor. Die Patientin, eine Frau mit rot gefärbten Haaren, wird behutsam in die Horizontale gebracht. Routiniert wartet sie auf das Einsetzen der Trance. Die Zahnärztin spricht in eindringlichem Tonfall: „Hypnose bedeutet, die Konzentration von außen nach innen zu lenken. Wir fangen mit den Augen an. Erlauben Sie sich selbst, die Augen zufallen zu lassen.“ Elisabeth von Mezynski spricht wie eine Märchenerzählerin, als wolle sie jemanden überreden. Beschwörend und gleichmäßig redet sie, ohne Unterbrechung, während die Augen der Patientin sich tatsächlich ganz langsam schließen. Von der Wand leuchtet das Röntgenbild ihres Kiefers.

Ruhig liegt die Patientin da. „Atmen sie jetzt in ihrer Vorstellung in die linke Hand. Wenn das Unterbewusstsein bereit ist, spüren sie jetzt dort etwas.“ Elisabeth von Mezynski macht eine ziehende Bewegung knapp über der Hand der Patientin. Die hebt sich, als sei die Patientin ein Marionette und die Zahnärztin die Puppenspielerin, verbunden durch einen unsichtbaren Faden. „Ihr Unterkiefer beginnt langsam schwer zu werden“, sagt die Zahnärztin. „Lassen Sie ihn der Schwerkraft folgen. Öffnen Sie einfach den Mund, als ob sie ihn abgeben würden zur Reparatur.“ Der Mund der Patientin öffnet sich. Die linke Hand schwebt noch immer in der merkwürdigen Position, in die von Mezynski sie „gezogen“ hat.

Die Ärztin setzt ihren Mundschutz und eine Lupenbrille auf und beginnt mit der Zahnbehandlung. Am Ende pinselt sie eine braune Flüssigkeit auf die Zähne, „gegen die Heiß-Kalt-Empfindlichkeit“. Die Assistentin saugt mit einem zischenden Gerät die Spucke ab. Fertig. „Drei zwei eins, Augen auf.“ Und die Patientin, Yvonne Teumler heißt sie, ist wieder anwesend.

Die Erleichterung ist ihr anzusehen. Früher hatte Sie Angst vor der Behandlung in einer Zahnarztpraxis, über Jahre. „Ich hatte schon am Tag vor einem Termin Herzrasen. Das hat angefangen, als ich ein Kind war“, sagt die 38-Jährige. Sie hatte damals einen „rabiaten“ Zahnarzt, der ohne Betäubung bohrte. Als Erwachsene ging sie zwar zur Behandlung, wenn es notwendig war. Doch sie schob es so lange wie möglich vor sich her, aus Angst vor Schmerzen. Bis zu acht Spritzen hatte sie manchmal bekommen und dennoch beim Bohren starke Schmerzen gespürt.

Atmung und Herz werden ruhig

Von Mezynski überrascht das nicht. „Durch Angst wird Anästhesie schneller abgebaut“, erklärt sie. „Wenn ich mit Hypnose arbeite, brauche ich nur sehr wenig Anästhetikum. Viele denken, es gehe bei der Hypnose darum, die Spritze zu sparen, aber das ist nicht der Fall. Nur wenn der Patient keine Spritze möchte, wenn er Angst davor hat oder eine Allergie, behandeln wir auch ohne Betäubung.“

Bei ihrem vorherigen Zahnarzt hatte Yvonne Teumler immer wieder provisorische Füllungen bekommen. „Ich konnte die Zähne nicht mehr richtig zusammenbeißen und wusste, dass diese Provisorien irgendwann ausgetauscht werden mussten, ich hatte das schon eineinhalb Jahre vor mir hergeschoben“, erzählt sie. Schließlich suchte sie im Internet nach einer Praxis, die auf Angstpatienten spezialisiert ist und stieß auf die Website von Mezynski: zahnangstfrei.de. Mit starken Zahnschmerzen fuhr die Lichtenbergerin quer durch die Stadt zu Mezynskis Praxis nach Zehlendorf. Zur Wurzelbehandlung.

„Normalerweise ist die erste Sitzung nur zum Kennenlernen, aber hier musste ich gleich behandeln“, sagt Mezynski. Teumler war zunächst skeptisch. „Aber dann habe ich gemerkt, wie Atmung und Herz ruhig wurden bei der Hypnose.“ Seitdem war sie oft bei von Mezynski, insgesamt zwölf Zähne ließ sie behandeln. Die Zahnärztin tauschte alle provisorischen Füllungen gegen Keramik aus. Manchmal dauerte eine Behandlung vier Stunden. „Aber mir kam das immer nur wie eine halbe Stunde vor“, sagt Teumler. Das gehe vielen Patienten unter Hypnose so, erklärt ihre Zahnärztin. Eine „subjektive Zeitverkürzung“ nennt sie das. Das sei auch für manche Patienten, die normalerweise keine Probleme mit dem Zahnarztbesuch haben, ein Grund, es mal mit der Methode zu versuchen.

„Nach dem dritten Termin hatte ich kein Herzrasen mehr vor der Behandlung“, sagt Angstpatientin Teumler. „Und jetzt habe ich gar keine Angst mehr vor dem Zahnarztbesuch.“ Dabei empfindet sie die Behandlung nach wie vor nicht als schmerzfrei – sie spürt, dass gebohrt und gefüllt wurde. Aber während sie auf dem Stuhl liegt, ist sie jetzt immer ganz ruhig. „Ich gehe dann an einen schönen Ort, dieses Mal war ich bei meiner Oma“, sagt sie. „Als gebohrt wurde, bin ich mit meinen Eltern durch die Siedlung gelaufen, in der ich als Kind gelebt habe und habe mir vorgestellt, dass das Geräusch von einer Säge aus einem Garten kommt.“

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