Ich bin ein BERLINER (41) : "Wie das Paris der 1930er"

Tom Botwid kam zum Kunststudium aus Schweden nach Berlin - ohne ein einziges Gemälde zum Bewerben. In unserer Serie „Ich bin ein Berliner“ erzählt er, wie er nun in Berlin die Kunst entdeckt.

von und Hendrik Müllenberg
Ich bin ein Berliner (41)
Ich bin ein Berliner (41)

Gerade arbeite ich an einer großen Papierskulptur. Ich bin aus Schweden, seit Oktober letzten Jahres wohne ich in Berlin, ich bin wegen der Kunsthochschule hergezogen. Die Kunstszene Berlins ist im Ausland sehr bekannt, die Stadt wird oft mit dem Paris der Dreißiger Jahren verglichen. Als ich sagte, dass ich nach Berlin zum Kunststudium gehen werde, fanden das alle toll.

Zwölf Leute sind ungefähr in einem Jahrgang, jeder hat ein eigenes Atelier. Ich habe mich für Malerei beworben, beim Bewerbungsgespräch hatte ich allerdings kein Gemälde dabei. Eigentlich male ich nicht, eher sind es Zeichnungen, die ich anfertige, oder ich entwerfe große Skulpturen. Man darf hier eigentlich alles machen, man hat viele Freiräume.

Ich bin ein großer Fan von Klara Lidén, einer schwedischen Künstlerin, die auch in Berlin lebt. Sie kommt wie ich aus Stockholm, macht Installationen und Videoperformances.

In Schweden sind deutsche Künstler wie Daniel Richter oder Jonathan Meese bekannt, Meese wohnt ja auch in Berlin. Vor sechs Jahren war ich zum ersten Mal hier, für einen Monat. Schon damals faszinierte mich, dass in Berlin alles so lebendig ist – und die viele Kunst natürlich.

Jedes Wochenende kann man irgendwo auf eine Vernissage gehen, erst gestern waren wir bei einer von Studenten der Schule. Ich glaube, wenn man jahrelang zu den Vernissagen geht, kennt man irgendwann alle Künstler hier in der Stadt (lacht). Aber Berlin verändert sich auch, die Stadt wird teurer. Viele meiner Kommilitonen wollen nun nach Leipzig, dort ist es billiger.

Tom Botwid, 25, Student aus Schweden: "So viel Kunst in Berlin"
Tom Botwid, 25, Student aus Schweden: "So viel Kunst in Berlin"Foto: Müllenberg

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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