Berlin : „Ich dachte, sie ist unsterblich“ Stimmen zum Tode der Berliner Künstlerin

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(SPD) , Regierender Bürgermeister: „Ich trauere um eine große Künstlerin. Sie war mehr als eine Schauspielerin. Sie war eine unverwechselbare Stimme der Stadt und ist nun für immer verstummt. Die Berlinerinnen und Berliner werden ihre Biggi nicht vergessen.“

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Friedrich-Wilhelm Hünerbein, Domprediger: „Sie hat seit Jahren bei uns im Dom im Jedermann die Mutter gespielt – als Werbende, die versuchte, den Sohn und das Publikum zu bewegen, über ihr Leben nachzudenken. Das hat sie mit Ruhe und Bestimmtheit getan, obwohl sie zuletzt schon sehr gebrechlich war. Ihr größter Wunsch war, im Dom in dieser Rolle umzufallen und zu sterben. Das war ihr nicht vergönnt, sie konnte in den letzten Vorstellungen schon nicht mehr mitspielen. In der Sakristei hatte sie bei uns stets in einem besonderen Sessel gesessen. Sie strahlte eine Ruhe und Freude aus, die alle bewegte und zu ihr hinzog. Offen war sie immer für alle, die sie jedes Jahr im Jedermann-Ensemble neu traf."

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Hanna Renate Laurien (CDU) , ehemalige Senatorin und Parlamentspräsidentin: „Wir haben uns beide gemocht und auch gemeinsam im Fernsehen einen verrückten Auftritt absolviert. In einer Sendung sollten wir Damenunterwäsche von einem Seil abnehmen, was ich als lächerlich empfand. Brigitte Mira sagte dann nur. Sie hat Recht, das Zeug bleibt hängen. So haben wir dem Sender einen Gag genommen. Brigitte Mira war eben nicht oberflächlich. Sie zeichnete eine tiefe Menschlichkeit aus. Sie dachte immer ernsthaft über das Leben und seinen Sinn nach. Und wenn sie Geburtstag feierte, war für klar, dass dazu irgendwann auch die Endlichkeit gehört. Und was sie über sich sagte, stimmt: Persönlich war sie bescheiden, aber nicht beim Auftritt auf der Bühne oder im Film. Und sie konnte herzhaft über sich selbst lachen.“

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Walter Momper (SPD), ehemaliger Regierender Bürgermeister: „Sie war eine begnadete Schauspielerin, die eigentlich alles darstellen konnte. Trotzdem bleibt mir ihre Rolle als einfache Arbeiterfrau in Fassbinders ,Angst essen Seele auf’ am deutlichsten in Erinnerung. Dabei habe ich sie so oft auch auf der Bühne erlebt und sie dafür bewundert, dass sie selbst ihr hohes Alter vergaß, wenn sie auf den Brettern stand. Wir haben uns Mitte der 80er Jahre auch persönlich kennengelernt, waren Freunde. Sie war eine wunderbare Frau.“

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Jörg Schönbohm (CDU), Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Brandenburgs: „Als kürzlich ihre Enkeltochter einen Preis für sie entgegen nahm, merkte man an der Reaktion der Zuschauer, wie tief verwurzelt Brigitte Mira im Berliner Publikum ist. Sie gehörte einfach zu dieser Stadt wie der Funkturm oder der Alexanderplatz. Die Rolle der Mutter in der Jedermann-Aufführung im Berliner Dom hat sie besonders glaubwürdig gespielt. Bei unseren persönlichen Begegnungen hat mich ihr Mutterwitz immer besonders beeindruckt. Jetzt muss es ohne sie weitergehen. aber sie wird uns allen sehr fehlen.“

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Ilja Richter , Schauspieler und Entertainer: „Ich dachte, sie ist unsterblich – und nun das . . .“

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Christoph Stölzl (CDU), ehemaliger Kultursenator: „Die Nachricht von ihrem Tod ist traurig und bewegend für alle, die sie gemocht haben. Brigitte Mira hat bis zuletzt mit erstaunlicher Frische am kulturellen Leben der Stadt teilgenommen. Ihr Freimut, ihre Frechheit und ihre Schnoddrigkeit bleiben unerreicht. Aber sie konnte auch sehr ernsthaft sein. Sie hat uns beigebracht, dass alt werden eine ebenso schwierige Aufgabe ist wie erwachsen werden. Ich verneige mich vor ihr in Ehrfurcht und Dankbarkeit.“

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Jürgen Woelffer , Co-Direktor von Theater und Komödie am Kurfürstendamm: „Die Berliner Volksschauspieler, die das Publikum so liebte, werden immer weniger. Vor etwa zwei Jahren hat Brigitte Mira das letzte Mal in unserem Haus gespielt, in ,Guten Tag, Herr Liebhaber’. Ich kannte sie schon sehr lange. Oft haben wir im ,Bovril’ am Kurfürstendamm zusammen gesessen, manchmal kam einer ihrer Söhne vorbei und schaute, wie es ihr geht. Ein sehr netter Mensch, beliebt, meist sehr herzlich, kumpelhaft. Sie wollte immer mit allen befreundet sein.“

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