Berlin : „Ich werde hier gegrillt“

Der designierte Wissenschaftsstaatssekretär Krausz hofft auf ein zügiges Ende der Ermittlungen gegen ihn. Die Hamburger Staatsanwaltschaft setzt sich keine Frist

Sabine Beikler

Tritt der Hamburger Psychiatrieprofessor Michael Krausz sein Amt als designierter Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin an – oder verzichtet er auf den Posten? „Ich hoffe, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe schnell geklärt werden. Diese Vorwürfe sind absurd“, sagte Krausz am Montag dem Tagesspiegel. „Ich werde sicher nur das Amt antreten, wenn ich in der Lage bin, aus öffentlicher, politischer und privater Sicht die Aufgaben zu bewältigen. Als lahmer Tiger bin ich machtlos.“ Gegen Krausz ermittelt wie berichtet die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Vorteilsannahme. Krausz soll Geld von Pharmafirmen angenommen und im Gegenzug mehr Verordnungen von Psychopharmaka in Aussicht gestellt haben. Diese Zuwendungen sollen sich im Bereich von 100000 Euro bewegen, sagte Rüdiger Bagger, Pressesprecher und Oberstaatsanwalt bei der Hamburger Staatsanwaltschaft.

„Es sieht so aus, als ob gegen mich eine konsequente Destruktion betrieben wird. Ich werde hier gegrillt“, sagte Krausz, der das Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf leitet. Er habe von den Ermittlungen, die durch ein anonymes Schreiben ausgelöst wurden, erst vor ein einigen Wochen erfahren: Seine Anwälte hätten inzwischen Akteneinsicht beantragt. „Ich bin nicht umsatzsteigernd für Medikamente tätig geworden“, erklärte Krausz. Er habe auch keine Medikamente verschrieben, sondern sei in der Forschung tätig.

Nach Informationen des Tagesspiegels geht es bei den Ermittlungen um zwei Pharmaunternehmen: In einem Fall soll es sich um die Firma AstraZenica handeln, die angeblich Millionen gezahlt haben soll. Der Umsatz von Astrazenica an der Hamburger Uniklinik soll sich allerdings nur im „vierstelligen Euro-Bereich“ bewegen. Der Hamburger Oberstaatsanwalt Bagger gab keine näheren Auskünfte, sagte aber, dass die „Beweismittel, die vor kurzem nach einer Hausdurchsuchung sichergestellt wurden, erst einmal ausgewertet werden müssen“.

Offenbar richten sich die Ermittlungen auch auf das von außen schwer durchschaubare Geflecht der Drittmittelforschung, also die Kooperation zwischen einzelnen Wirtschaftsunternehmen und der Wissenschaft. Die Staatsanwaltschaft prüft in diesem Zusammenhang Nebeneinkünfte zum Beispiel durch Vorträge oder Weiterbildungen. Für Hochschulprofessoren, die in der Regel den Beamtenstatus haben, sind Nebeneinkünfte legitim, sofern sie der Universität angezeigt werden. „Wir prüfen, ob es dadurch Vorteile gab“, sagte Bagger.

Der Hamburger Oberstaatsanwalt gab keine Prognose über die Dauer der Ermittlungen ab. Er habe Verständnis dafür, dass die Berliner Politik auf ein schnelles Ende der Ermittlungen drängt, weil bis dahin das Amt des Wissenschaftsstaatssekretärs nicht besetzt wird. „Wir bemühen uns, das schnell zu klären.“

Das erwarten auch die Berliner Politiker. Bert Flemming, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, untermauerte seine Forderung, dass PDS-Wissenschaftssenator Thomas Flierl „handeln muss, wenn ein Ende nicht absehbar ist“. Die Wissenschaftsverwaltung hofft nun auf ein „beschleunigtes Verfahren“, sagte Sprecher Torsten Wöhlert. Die Unschuldsvermutung für Michael Krausz gelte auch im politischen Leben. „Allerdings nicht unendlich lang.“

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