IGA-Park in Hellersdorf : Premiere in Berlins neuer grüner Oase

Nach dem Ende der Gartenschau ist der Kienbergpark allgemein zugänglich. Auch die Gärten der Welt in Marzahn haben wieder geöffnet. Ein Rundgang

Unikum in Berlin - aber zur Zeit selten benutzt: Die weiter betriebene Seilbahn auf dem einstigen IGA-Gelände.
Unikum in Berlin - aber zur Zeit selten benutzt: Die weiter betriebene Seilbahn auf dem einstigen IGA-Gelände.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Aus Hundeperspektive ist dieses Wochenende ein überraschendes. „Komm Dicker, wir gehen heute mal hier lang“, sagt eine Frau zu ihrem vergleichsweise schlanken Husky und ruckt an der Leine. Zu ihren Füßen liegt einer der Wege, die um den grasbewachsenen Hügel auf der östlichen, der Hellersdorfer Seite der Wuhle führen. Nur einige Meter weiter sagt fast zur selben Zeit eine ältere Dame zu ihrem flauschigen Mischling: „Komm, da geht’s lang!“ und biegt ebenfalls Richtung Wuhletal ab. Dort hetzen bereits diverse andere Fellbündel übers Neuland. Und ein paar Menschen sind auch da.

Sogar eine Langlaufloipe ließe sich spuren

Der Hügel befand sich bis Mitte Oktober auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau. Jetzt gehört er zu jenem Teil der IGA, der seit Monatsbeginn kostenfrei zugänglich ist. Eine freundliche Laune des Himmels hat an diesem Sonnabendvormittag eine große Wolkenlücke genau über dem Gelände aufgetan, sodass die Sonne auf dieses neu gewonnene Stück Stadtgrün namens Kienbergpark scheinen kann. Der Hügel ist nicht hoch, aber seine je nach Richtung von steil bis flach geneigten Hänge dürften bei Schnee ganz passable Rodelbahnen abgeben. Und eine Langlaufloipe ließe sich wohl auch spuren. Die nunmehr zuständige Betreiberfirma Grün Berlin hat auf dem völlig platten Tempelhofer Feld ja schon gezeigt, dass sie’s kann.

Der Wolkenhain - ein skurriles Gartenschau-Highlight mit toller Aussicht.
Der Wolkenhain - ein skurriles Gartenschau-Highlight mit toller Aussicht.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Viele Leute sind nicht gekommen, die Hellersdorfer Errungenschaft zu begucken. Dabei gibt es an den Hängen des Hundehügels auch ein paar ziemlich coole Riesenschaukeln für Kinder jeden Alters sowie einen Spielplatz mit mehrstöckigem Kletterhaus samt Riesenrutsche für den Rückweg sowie Hängematten und Bodentrampolin. Der direkt angrenzende „Märkische Garten“ mit seinen beschrifteten Gräsern und vielfarbigen Heidekräutern in eingefassten Beeten sieht noch richtig nach IGA aus, während die meisten anderen Rabatten abgeräumt und mit Gras besät wurden, das sich gerade noch rechtzeitig vor dem Winter herausgearbeitet hat. Und über allem schwebt die Seilbahn, die in ihrem Premierensommer nur mit IGA-Ticket für 20 Euro zu benutzen war.

Nur etwa jede zehnte Gondel ist besetzt

Jetzt gondelt sie weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin und wieder zurück. Die Einzelfahrt kostet einschließlich Retour und optionalem Zwischenstopp auf dem Kienberg 6,50 Euro, ermäßigt vier. Nein, es waren „noch nicht soo viele“ Fahrgäste da, sagt die Frau im Kassenhäuschen. Ein Kollege beim Einstieg präzisiert: 28 in den ersten beiden Betriebsstunden seit 9 Uhr. Mag sein, dass von der Westseite her, vom Blumberger Damm, auch noch ein paar mitgefahren sind, aber geschätzt steigt nur in etwa jede zehnte Gondel jemand ein. Wenn sich die Türen schließen und die Kabine geräuschlos hoch überm Wuhletal schwebt, wird es gemütlich für die Seele, sofern man keine Höhenangst hat: Unten grasen drei Pferde, deren Trampelpfade die Wiesen durchziehen. Zwischen goldbraunem Schilf liegt dunkelblaues Wasser. Und weiter hinten breitet sich die Stadt aus.

Wow-Effekte auf dem Wolkenhain

Der Blick wird noch besser, wenn man auf dem Gipfel des Kienbergs – dem kleinsten der sechs Berliner Hunderter – aussteigt und den Wolkenhain erklimmt. Die filigrane Stahlkonstruktion ergibt eine Gesamthöhe von 118,5 Meter über Normalnull und bietet eine Aussicht, die über das Plattenbaumeer bis zum Teufelsberg reicht. Der zwölf Kilometer entfernte Fernsehturm ist noch gut erkennbar, dahinter verschwimmt das Bild im Dunst. Nach Norden verläppert die Stadt hinter den Ahrensfelder Bergen im Glanze einer märkischen Solaranlage. Keine Frage: Der Wolkenhain ist ein Ort, um einen Wow-Effekt zu erleben.

Ein Hubschrauber Richtung Unfallkrankenhaus knattert vorbei, dann ist es wieder ruhig. Zum Glück für jene Hellersdorfer, die sich über das Pfeifen des Wolkenhains bei starkem Wind beklagt haben. Akustiker der TU sind beauftragt, es zu lokalisieren und Abhilfe zu suchen.

Auf der Bobbahn und im Panoramacafé ist noch nicht viel los

Totenstille herrscht an diesem Sonnabend da, wo sie gern Action hätten: Zur Naturbobbahn – dank Schienen ganzjährig in Betrieb – verirrt sich nur ganz sporadisch jemand. Sie startet gleich neben der Seilbahn am Nordhang des Kienbergs, ist aber bis zum Frühjahr auch nur per Gondel zu erreichen. Der Berg selbst ist einschließlich sämtlicher Wege an seinen Flanken und den neu angelegten Terrassen zum Wuhletal hin noch bis voraussichtlich März gesperrt. Das Kombi-Ticket für Seil- und Bobbahn kostet neun Euro, ermäßigt 6,50.

Ebenso leer ist es im Panoramacafé „Wolke Sieben“, in dem Kuchen lockt und der Duft von Hausmannskost hängt. Wie viele Leute am Freitag da waren? „15 oder 16“, sagt die Frau am Tresen. „Da ist noch ganz viel Luft nach oben.“

Die Gärten der Welt sind dank der IGA stark gewachsen

Zwischen erhaltenen Rosenbeeten und aufgefülltem Rasen geht es zurück zur Seilbahn und weiter westwärts Richtung Blumberger Damm. Die im Park weidenden Rinder sind wohlauf, die Wassergärten haben Winterpause, die Landschaft ist nunmehr grün wie eine Savanne nach dem Regen. Die Wenigen, die hier spazieren, haben ein Ticket für die Gärten der Welt gekauft, die dank der IGA deutlich gewachsen sind und zurzeit zum ermäßigten Winterpreis besucht werden können: Inklusive Seilbahnfahrt ist man für 6,90 Euro (ermäßigt: 4,50) dabei. Ein Geheimtipp, in jeder Hinsicht.

Aber gegen Mittag nimmt der Andrang zu: Großeltern- Enkel-Gespanne, Familien, Paare. Auch die Frau an der Hellersdorfer Seilbahnkasse guckt etwas fröhlicher als am Morgen. „Langsam wird’s besser“, sagt sie.

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