Berlin : ILA: Frauen im Cockpit - Über den Wolken sind Männer noch unter sich

Stephan Wiehler

Frauen im Cockpit eines Kampfjets? Die beiden Piloten der griechischen Luftwaffe, die vor dem blauen Nato-Jumbo auf dem Rollfeld des Flughafens Schönefeld stehen, mustern sich durch ihre dunklen Sonnenbrillen. Selbst mit ihrem Schweigen verbreiten sie dieses "gewisse Etwas", das der Schriftsteller Tom Wolfe in seinem Roman "Die Helden der Nation" an Männern wie ihnen beobachtet hat. "Ich habe noch nie darüber nachgedacht, ob wir weibliche Piloten haben sollten", sagt der eine und krault sich lässig die schwarze Brustbehaarung im aufgeknöpften Uniformhemd. "Ich hätte keine Probleme damit. Aber fliegen müssten sie können." Skepsis schwingt da mit, so, als könne man Fliegen nicht einfach lernen wie Schwimmen oder Autofahren, als gehöre mehr dazu. Dieses "gewisse Etwas" eben.

Der Traum vom Fliegen ist eine männliche Kopfgeburt. Wohin man blickt auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), Frauen bilden unter Ausstellern und Fachpublikum eine verschwindende Minderheit. Über den Wolken halten Männer den Steuerknüppel noch fest in der Hand, der Himmel ist eines der letzten Refugien für Machos.

Doch auch die Lufthoheit des Mannes ist bedroht. Weit weniger Berührungsängste mit Pilotinnen als ihre griechischen Nato-Partner zeigen die Amerikaner. Für Tony Carr von der Charleston Air Force Base im US-Bundesstaat South Carolina kommt es nur darauf an, "ein guter Soldat zu sein, egal ob Frau oder Mann". Die Eignung zum Kampfpiloten ist für den 27-Jährigen keine Frage des Geschlechts. Elisabeth Alber, Master Sergeant der US-Air Force, stimmt ihm zu. "Männer und Frauen arbeiten in unseren Streitkräften in jeder Hinsicht gut zusammen. Das ist normaler Alltag", sagt die 40-Jährige. Von den knapp 12.500 amerikanischen Militär-Piloten sind allerdings nur 370 Frauen. Die meisten Air-Force-Soldatinnen arbeiten als Bodenpersonal. Auch Elisabeth Alber gehört dazu. Seit 16 Jahren ist sie in der Öffentlichkeitsabteilung im Stuttgarter US-Hauptquartier des europäischen Kommandos tätig.

Auch in deutschen Cockpits haben Frauen längst das Höhenruder übernommen. Cordula Abromeit ist Verkehrspilotin bei der Lufthansa und hat an diesem Morgen bereits ein Fernsehinterview hinter sich. Vom Fliegen träumte schon ihr Vater: "Er wollte immer Pilot werden. Beim Zubettbringen hat er mir als Kind oft davon erzählt." Die Tochter machte seinen Traum wahr, wenn auch mit Startverzögerung. Nach der zweieinhalbjährigen Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule arbeitete sie erst einmal als Stewardess. "Es gab keine freie Stelle. Aber ich weiß jetzt, wie es hinter dem Cockpit aussieht." Seit fünf Jahren fliegt Cordula Abromeit als Erste Offizierin den Airbus A 300 und A 310. Auf ihrem Dienstplan stehen Kurz- und Fernflüge in Europa, nach Afrika, Nahost und in die GUS-Staaten. Seit 1985 beschäftigt die Lufthansa weibliche Piloten. Doch unter den rund 3500 Lufthansa-Piloten hat Cordula Abromeit gerade mal 65 Kolleginnen. "Viele Frauen schreckt vielleicht das Technische ab. Wenn sie wüssten, wieviel Führungsqualitäten und kommunikative Fähigkeiten Piloten haben müssen, würden sich vielleicht mehr von ihnen dafür begeistern." Die 30-Jährige liebt ihren Beruf, der jeden Tag eine neue Herausforderung sei. Das Fliegen empfindet sie bei aller Routine und Konzentration immer noch als besonderes Erlebnis. "Das Landen und Starten gibt mir immer wieder einen Schub. Beim Autofahren fehlt mir das manchmal richtig." Cordula Abromeit möchte jungen Frauen Lust aufs Fliegen machen, schließlich suche die Lufthansa dringend Piloten-Nachwuchs. "Bewerber zwischen 19 und 27 Jahre sollten eine Sehkorrektur von nicht mehr als 1,7 Dioptrin haben. Innere Ruhe und Teamfähigkeit sollten sie mitbringen. Alles andere entscheidet die Eignungsprüfung." Die Pilotin bereitet sich bereits auf ein neues Flugziel vor. Auf der ILA traf sie am gestrigen Nachmittag den Astronauten Ulf Merbold. Vielleicht fliegt sie ja mal ins Weltall. Und bisher, sagt sie, habe sie immer alle Ziele erreicht, die sie sich gesetzt hat. Das "gewisse Etwas" fehlt ihr jedenfalls nicht dazu.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben