Berlin : Im Bankenskandal-Prozess reden jetzt die Angeklagten

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Die Formalitäten sind abgehakt, jetzt geht es im Prozess um den Berliner Bankenskandal zur Sache: Am heutigen Mittwoch haben die 13 Angeklagten das Wort – und ihre Verteidiger. Sollte es das Gericht bei der in der Anklageschrift aufgeführten Reihenfolge belassen, wird der ehemalige BerlinHyp-Vorstand Gerd-Ulrich Blümel im Moabiter Kriminalgericht den Anfang machen, gefolgt vom früheren CDU-Fraktionschef und Ex-Vorstand Klaus Landowsky. Der ehemalige Chef der Bankgesellschaft, Wolfgang Steinriede, wäre demnach als Siebter dran, sein Nachfolger Wolfgang Rupf als Neunter.

Wie man so hört, wollen sich fast alle Angeklagten persönlich zu den Vorwürfen äußern, viele Verteidiger haben zudem ihre juristischen Stellungnahmen vorbereitet. Fragen will das Gericht aber erst zulassen, wenn die Reihe im Saal 700 einmal herum ist. Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Bankvorständen und Aufsichtsräten Untreue im besonders schweren Fall vor. Dabei geht es um 240 Millionen Euro, die die Berlin Hyp Mitte der 90er Jahre an den Immobilienkonzern Aubis vergab. Der Bank entstanden laut Anklage vermeidbare Millionen-Risiken. Sollte das Gericht die Angeklagten für schuldig befinden, droht ihnen eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Landowskys Verteidiger hatte sich bereits nach dem Prozessauftakt am vergangenen Freitag für den Angriff als Verteidigungsstrategie entschieden und von einer „beispiellosen Hetzkampagne“ gegen seinen Mandanten gesprochen. „Man versucht, einen politischen Gegner mundtot zu machen“, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Müllenbrock. Die umstrittenen Kredite seien völlig rechtmäßig vergeben worden. „Sie wurden ganz üblich geprüft und bearbeitet.“

Ansonsten dürfte der schwarze Peter heute von Platz zu Platz geschoben werden. Denn auch, wenn sich alle Angeklagten als unschuldig bezeichnen, stehen die Reihen nicht geschlossen da. So meinen die Aufsichtsräte, dass sie keinen Anlass gehabt hätten, den Kredit-Beschluss des Vorstandes in Frage zu stellen. Ex-Berlin-Hyp-Chef Landowsky hingegen vertritt die Auffassung, dass er sich auf das Urteil der drei zuständigen Vorstandsmitglieder verlassen musste – was diese nicht auf sich sitzen lassen. kf

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