Berlin : Im Blumengroßmarkt soll die Kunst erblühen

Die Grünen wollen die geplante Ausstellungshalle für zeitgenössische Werke nach Kreuzberg holen

Matthias Oloew

Die Diskussion um den Standort einer neuen Kunsthalle gewinnt an Fahrt. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Alice Ströver, hat sich eine Idee des Architekten Wolfgang Göschel zu eigen gemacht: „Die Kunsthalle könnte in den Blumengroßmarkt ziehen“, sagt sie. Bisher werden drei Standorte diskutiert: am Hamburger Bahnhof, der nun zu einem Kunst-Campus ausgebaut wird (wir berichteten), im ehemaligen Postfuhramt an der Oranienburger Straße und auf der Ödnis neben dem Kunsthaus Tacheles.

Die neue Lösung hat viele charmante Seiten: Sie wäre vergleichsweise billig, denn die Großmarkthalle in zentraler Lage gehört dem Land. Sie würde dem Bau eine Perspektive geben, denn der Blumengroßmarkt muss per Senatsbeschluss 2010 an die Beusselstraße umziehen. Und es wären Synergieeffekte denkbar, denn die Berlinische Galerie liegt in direkter Nähe, ebenso wie zahlreiche Ateliers an der Friedrich- und der Zimmerstraße sowie das Jüdische Museum. Von dort kommt Applaus für den Vorschlag: „Eine tolle Idee, die den Kulturstandort Kreuzberg stärkt“, sagt der Geschäftsführer des Museums, Ulrich Klopsch.

Ebenso wie Ströver hat sich auch Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) für den Bau einer neuen Kunsthalle ausgesprochen. 1993 hatte der Senat die alte Kunsthalle an der Budapester Straße aus Kostengründen geschlossen. Die Folge: Viele zeitgenössische Künstler, die in Berlin leben und arbeiten, zeigen ihre Arbeiten anderswo. Zum Beispiel in Hannover. Dort läuft derzeit eine viel beachtete Ausstellung unter dem Titel „Made in Germany“ – die meisten der dort ausstellenden Künstler arbeiten in Berlin. Weil hier kein Platz für ihre Kunst ist, zeigt sie nun das Sprengel-Museum.

Eine temporäre Kunsthalle für den Schlossplatz ist schon so gut wie beschlossene Sache. Sie muss aber mit Beginn der Arbeiten zum Bau des Humboldt-Forum genannten Schlosses wieder verschwinden, etwa Ende 2009 wird das der Fall sein. Kurze Zeit später wird der Blumengroßmarkt frei: „Das ist der besondere Reiz an dieser Idee“, sagt Ströver weiter, „dass man Zug um Zug mit den Kunsthallen arbeiten kann.“

Architekt Göschel, der die Kreuzberger Halle für eine Untersuchung des Bildungsforums entdeckt hat, schwärmt: „Durch die Decke kommt Nordlicht, das ist ideal für die Kunst, weil es neutral ist. Außerdem scheint keine direkte Sonne herein.“ Die Halle , etwa 50 mal 120 Meter groß, hat 6000 Quadratmeter Fläche, ist 42 Jahre alt und gut in Schuss. „Wenn das Land kein Geld hat, kann der Kunstbetrieb auch ohne große Umbauarbeiten beginnen“, sagt Göschel. Und Ströver ergänzt: „Die Halle könnte sukzessive ausgebaut werden.“ Göschels Ideen sehen überdies Galerien und Ateliers vor, für die in einem neuen Gebäuderiegel Platz wäre. Und eine Grünanlage an der Friedrichstraße könnte Skulpturen aufnehmen. Matthias Oloew

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