Berlin : Im Borchardt, nachts um halb zwölf

Heidemarie Mazuhn

Vor der Tür lauert der Fotografen-Pulk, dahinter der Wahnsinn. Der Berlinale-„Borchardt“-Wahnsinn. Zwischen den hohen Säulen ist es am Mittwochabend ohrenbetäubend laut. Proppevoll ist es auch. Und eng. Mit Tellern beladene Kellner wuseln umher – vor der Bartheke müssen sie sich mit den Gästen arrangieren, die dort auf einen freien Stuhl warten. Das Personal bewahrt nicht nur Contenance, sondern auch Freundlichkeit.

An einem Ecktisch werden gerade Theo Waigel und seine zwei Tischnachbarn bewirtet. Dem Trio dürfen sich später die (sehr gebräunte und sehr schlanke) Pro-Sieben-Moderatorin Christiane Gerboth und ihr Begleiter aufatmend hinzugesellen. Gegenüber rutscht die zweijährige Lilly mit ihren burberrykarierten Hosen über den Borchardt-Fußboden, nachdem sie vorher zwischen ihren Eltern Veronica Ferres und Martin Krug herumgeturnt war. Gegen 22 Uhr verabschiedet sich die blonde Familie – die Ferres in superwarmen und supermodischen Fell-Boots. Am Ausgang verzögert Mamas Bussi-Begrüßung mit ihrem Tisch-Nachfolger Michael Degen noch kurz Lillys Bettgang. Andere gehen auch – leerer wird es nicht. Luftiger auch nicht, denn im Innenhof wird das Zelt für den Medientreff am Sonnabend aufgebaut. Schauspielerin Lena Stolze hat es gut – im kurzen Abendkleid mit Spaghettiträgern lässt sich das „Borchardt“ am besten ertragen. Kati Witt dagegen trägt lieber Hose. Alles andere sieht man nicht mehr, so schnell eilt sie gegen 23.30 Uhr zur Toilette im Keller. Ihr sonnenbebrillter und entspannt ins Lokal grinsender Tischnachbar folgt ihr eine Minute später – und lässt einer Verehrerin den Bissen im Halse stecken bleiben. Jack Nicholson! Ein Autogramm bekommt sie aber nicht. Denn er kehrt nicht mehr aus dem Keller zurück. Wie schon viele andere Hollywood-Stars vor ihm ist er durch den Geheimgang ins benachbarte Four Seasons entschwunden.

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