Berlin : Im fünften Gang durch den Stadtverkehr

Peer Niederländer aus Pankow wurde deutscher Spritsparmeister

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Peer Niederländer ist mehr der pragmatische Typ. Sein Traumauto? „Machen wir uns nichts vor. Das Teuerste, was es gibt, da ist der meiste Gewinn zu holen, wenn man es verkauft.“ So nüchtern muss man wohl denken, um deutscher Spritsparmeister zu werden. 35 000 Kandidaten hatten sich beworben, das Finale fand Ende September auf einem Testgelände nahe Wolfsburg statt – der 43jährige Pankower machte das Rennen: 4,77 Liter auf 100 Kilometer, und das in einem 110-PS Golf FSI.

Alle Konkurrenten im gleichen Wagentyp, an Fähnchen vorbei über Huckelstrecken und immer rundherum – so ungefähr muss man sich den „Stadtparcours“ vorstellen. Zweite Disziplin: „Überland“. Niederländer hatte nicht extra geübt, denn seinen Führerschein hat er schon seit 1976. Als Spritsparmeister hat er jetzt mit Vorurteilen zu kämpfen, und um das gleich klarzustellen: „Ich mach’ auch gern mal ein Autorennen.“ Dann gibt Niederländer verbal Gas. „Der Grundsatz heißt: Ich muss es wollen, sonst funktioniert es nicht.“ Und: „Spritsparen hat in erster Linie mit dem Kopf zu tun, nicht mit dem rechten Fuß.“

Also: Den Motor nicht warmlaufen lassen, niedertourig fahren, früh hochschalten, Stadtverkehr ruhig im fünften Gang. Peer Niederländer: „Sie müssen vorausschauend fahren, rollen lassen. Das ist alles mit einfachen Mitteln zu trainieren.“ Und spart rund zwei Liter auf 100 Kilometer, das macht fast 250 Euro im Jahr. Die Kfz-Innung sieht bei deutschen Autofahrern 25 Prozent Einsparpotenzial. „Und sie schonen das Auto: Bremsen, Motor, Getriebe, Kupplung.“ Dass der Wagen dann weniger in die Werkstatt muss, kann aber die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes nicht sehr freuen – trotzdem gratulierten deren Obermeister Peter Winkel und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder gestern in der Kreuzberger Restaurantbar „Kaiserstein“. Bei der Feier berichtete Winkel, dass in Berlin 2405 junge Leute einen Beruf im Kfz-Handwerk lernen. Die Berufsschüler ziehen bald aus Kreuzberg in die Halle im Bildungszentrum Waldfrieden nach Bernau. Ab 2003 wird man nicht mehr Kfz-Mechaniker, sondern Mechatroniker, sagt Obermeister Winkel. „Heutzutage geht die Eletronik ja eher kaputt als die Mechanik, und da muss man ganz schön büffeln.“

Auf der Fahrt nach Bernau sollten die Auszubildenden im Auto an Bahnschranken, bei langen Ampelphasen und im Stau den Motor abstellen – bei Wartezeiten von über einer Minute bringt das was, sagt die Innung. Der 43-jährige Sieger hält aber nichts davon. „Ich stelle den Motor nicht ab, um es ganz klar zu sagen.“ Auch nicht im Golf FSI, den hat der Meister durchs Sparen gewonnen. kög

Infos zu Spritsparkursen der Innung:

www.kfz-innung-berlin.de

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