Berlin : Im Radio ist Platz für Nachwuchsbands

Ihre Probenräume könnten sie verlieren, aber die Bands des Orwo-Hauses sind trotzdem zu hören

Marc Neller

Ihr Vermieter will den unsanierten Plattenbau verkaufen. In der kommenden Woche erfahren rund 80 Berliner Nachwuchs-Bands, ob sie ihre Probenräume in Berlins größtem Musikerhaus behalten können. Derzeit sind sie nur geduldet.

Im Radio dagegen ist das anders. Da sind die Bands aus dem Orwo-Haus, einem nach einem Foto-Materialhersteller benannten Plattenbau in Marzahn, derzeit „sogar ausdrücklich erwünscht“. Das sagt Mona Rübsamen, Geschäftsführerin des jungen Senders Motor FM, des Musikmanagers Tim Renner. Der Sender spielt vor allem alternative Musik. Seit kurzem auch Orwo-Bands. Motor FM hat eine Rubrik namens „Starthilfe“ eingerichtet. Jeweils zwei viel versprechende Nachwuchsbands, die keinen Plattenvertrag haben, werden eine Woche lang im Radio mit Porträts und Interviews vorgestellt und im regulären Programm gespielt. Zudem sind sie zweimal in dieser Woche Bestandteil einer 20-Minuten- Sendung, in der das Orwo-Haus vorgestellt wird.

„Ursprünglich“, sagt Mona Rübsamen, „wollten wir zwei Wochen lang Orwo- Bands vorstellen. Jetzt planen wir vier Wochen. Es kann sein, dass es noch ein paar Wochen mehr werden.“ Der Fundus sei sehr groß. Elektromusik, Deutschrock, alternativer Rock, Garagenpunk – alles unter einem Dach. Welche Orwo- Bands gespielt werden, entscheiden die Musiker mit. „Wir treffen eine Vorauswahl, die wir an Motor FM schicken“, sagt Andreas Otto, der Sprecher der Bands. „Der Sender sucht sich dann raus, wen er spielt.“ Die Gruppen, die bisher ausgesucht wurden, seien erfahrene, „die ihren Sound schon gefunden haben. Deren Musik hat Wiedererkennungswert.“

Was die kostenlose Werbung bringt, kann derzeit niemand so genau sagen. Auch Andreas Otto nicht. Die Musiker werden häufig von Kollegen angesprochen, aber Plattenfirmen haben bisher nicht angerufen. „Zu glauben, dass das sofort passieren würde, wäre wohl übertrieben“, sagt Otto. „Aber es ist wichtig, dass wir Aufmerksamkeit kriegen.“

Die Musiker sind noch auf der Suche nach Sponsoren. Denn so wie es aussieht, müssen sie selbst das Geld aufbringen, mit dem sie das Orwo-Haus kaufen und die fällige Brandschutzsanierung bezahlen können. Wie viel das kosten wird, hängt von den Verhandlungen mit dem Hauseigentümer ab. In der kommenden Woche soll die Entscheidung fallen.

Ungeachtet dessen, ob die Bands ihre Probenräume behalten, stellt Motor FM- Chefin Rübsamen den Musikern eine Zukunft im Radio in Aussicht. „Es wäre denkbar, dass wir künftig auch Live-Konzerte von Orwo-Bands übertragen.“ Und irgendwann soll es möglich sein, deren Musik gegen Bezahlung aus dem Internet herunterzuladen.

Sendetermine: montags, 22 Uhr Band- und Orwo-Haus-Porträts. Wiederholung dienstags, um 24 Uhr. Motor FM sendet auf der UKW-Frequenz 106.8

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