Berlin : Im Schlüterhof wird die Akustik auf die Probe gestellt

Gala mit Königin Silvia findet nun im Adlon statt

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Das Problem der schlechten Akustik im überdachten Schlüterhof des Zeughauses Unter den Linden ist noch nicht gelöst. Andreas Kübler vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das für den Umbau des Zeughauses vom Deutschen Historischen Museum zuständig ist, kündigte Akustik-Proben für die dritte, vierte Oktoberwoche an. Dabei sollen unter anderem Schallsegel aufgehängt werden. Kübler betonte, der Schlüterhof sei noch immer eine Baustelle, und bis zur Fertigstellung im Frühjahr werde es hier keine festlichen Veranstaltungen geben. Er spielte damit auf die Mentor-Gala an, die ursprünglich für den 12. Oktober im Schlüterhof geplant war, die von den Veranstaltern inzwischen, wie berichtet, ins Adlon verlegt worden ist. Die Organisatoren begründeten die Verlegung mit Sicherheitsproblemen.

Es hätte allein schon wegen der Akustikmängel peinlich werden können: Die Worte der schwedischen Königin Silvia wären bei der Eröffnung der Gala (die Mentor-Stiftung setzt sich für die Gewalt- und Suchtprävention gegenüber Kindern ein) vermutlich kaum zu verstehen gewesen, vom Echo verschluckt, wie die klassische Musik. Die Gäste hätten einen mehr oder weniger hörbaren Gesprächsstoff gehabt: die miese Akustik. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wies gestern darauf hin, es sei damals gar nicht um Rat gefragt worden, was es von der Veranstaltung auf der Baustelle halte.

Die Gala-Organisatoren hatten noch Anfang September versichert, das Ereignis im Schlüterhof sei nicht gefährdet, man könne eine „wirksame, temporäre Lösung“ finden. Der Akustik-Experte Wolfgang Moll, dessen Büro schon frühzeitig auf die schlechte Akustik des nunmehr überdachten Hofes bei Veranstaltungen hingewiesen hatte, schlug von vornherein ein Verlegung der Gala vor. Der Hof war mit seinem von Ieoh Ming Pei entworfenen Glasdach ausdrücklich als überdachte Verkehrsfläche, nicht als Veranstaltungsort geplant worden. Molls Büro hatte dennoch ohne Auftrag ein akustisches Planungskonzept entwickelt, das aber nach Auskunft des Experten unberücksichtigt blieb. Die von ihm vorausgesagten Mängel hätten sich in vollem Umfang eingestellt. Moll hatte unter anderem vorgeschlagen, statt der geplanten Steinplatten einen schallschluckenden Boden aus erforiertem Edelstahlblech einzubauen. Hintergrund des Akustik- Streits ist die Erkenntnis, dass sich der Hof nicht nur als Durchgangsort, sondern als repräsentative Fläche für Empfänge, Konzerte und Ausstellungen nutzen ließe.C. v. L.

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