Berlin : Im Südwesten entsteht neue große Kinderklinik

Behring-Krankenhaus verlagert seine Pädiatrie ans Steglitzer Benjamin-Franklin-Klinikum

Ingo Bach

Am Steglitzer Benjamin-Franklin-Klinikum soll eine neue große Kinderklinik entstehen. Das zumindest sind die Pläne des Charité-Vorstandschefs Detlev Ganten. Möglich gemacht wird dies durch den Umzug der auf die Therapie von Asthma, Allergie und der gefährlichen Autoimmunkrankheit Mukoviszidose spezialisierten Pädiatrie von der Lungenklinik Heckeshorn an das Franklin-Klinikum. Am heutigen Montag startet der reguläre Betrieb auf der neubezogenen Station direkt unter dem Dach des Bettenhauses am Hindenburgdamm 30. Die offizielle Eröffnung findet allerdings erst am 11. November statt. „Wir wollen warten, bis sich alles eingespielt hat“, sagt Werner Ukas, Geschäftsführer des Zehlendorfer Emil-von-Behring-Krankenhauses, zu dem die Lungenklinik gehört.

Mit diesem Schritt sichert das zum privaten Helios-Konzern zählende BehringKrankenhaus nicht nur das ökonomische Überleben der relativ kleinen Kinderstation des Franklin-Klinikums, sondern ermöglicht auch dessen Ausbau, sagt Charité-Chef Ganten. Diese Form der privat-öffentlichen Kooperation sei die Keimzelle für „die Kinderklinik im Süden Berlins“. Durch den Untermieter erreiche die Pädiatrie die „kritische Masse an Patienten“, um ökonomisch sinnvoll alle nötigen Behandlungsarten anbieten zu können, zum Beispiel eine Bereitschaft rund um die Uhr. „Das wird sich in wachsenden Patientenzahlen niederschlagen.“ Zurzeit behandelt die Behring-Kinderklinik jährlich rund 800 junge Patienten stationär, das Pendant der Franklin-Klinik 900. Hinzu kommen jeweils 4200 beziehungsweise 7000 Kinder, die ambulant versorgt werden.

Die Rumpf-Kinderstation war 2004 entstanden, als das Franklin-Klinikum im Zuge der Fusion mit der Charité seine Pädiatrie an das auch zur Charité gehörende Virchow-Klinikum in Wedding verlor. Die dortige Pädiatrie ist mit 185 Betten die größte Berlins. Nur eine 40 Betten-Kinderabteilung, die auf die Behandlung der Mukoviszidose spezialisiert ist, blieb zurück. Zu klein, um das ökonomische Überleben zu sichern – auch wenn sie mit der Christiane-Herzog-Stiftung zusammenarbeitet, die sich um Mukoviszidose-Patienten kümmert und so Drittmittel in erheblicher Höhe einwirbt.

Offiziell gehört die umgezogene Kinderklinik mit 20 Betten und 35 Mitarbeitern immer noch zu Helios. Der Konzern habe hier 150 000 Euro investiert, um in fünf Sanitärzellen auf der Station, die bisher nur eine Toilette und ein Waschbecken boten, eine Dusche einzubauen. Damit könne man den Patienten mehr Komfort bieten, sagt Behring-Chef Ukas. Auf der gleichen Etage liegt die Kinderstation des Franklin-Klinikums – mit einem gemeinsamen Chef: Ulrich Wahn ist seit Jahren gleichzeitig Direktor der Kinderabteilung und Chefarzt der Kinderklinik des Behring-Krankenhauses. „Wir können uns gegenseitig helfen“, sagt Ukas.

Der Senat hat übrigens andere Vorstellungen: Laut Krankenhausplan soll die Behring-Kinderklinik eigentlich langfristig in das Virchow-Klinikum integriert werden.

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