Berlin : Im Zeichen der roten Schleife

Bei der 9. Festlichen Operngala für die AIDS-Stiftung treffen sich Politiker, Sportler und Schauspieler. Geld soll zusammenkommen, viel Geld. Auch wenn manch einer den Eintritt nicht bezahlen mag.

Viola Volland

„Suche Karte“ steht auf dem rosa Zettel, den Thorsten Schmidt hoch in die Luft hält. Es ist 18 Uhr 20, seit 40 Minuten schon wartet der Student geguldig am roten Teppich vorm Eingang der Deutschen Oper. Er will zur neunten Operngala für die AIDS-Stiftung. Er ist guter Hoffnung, eine der zwischen 260 und 650 Euro teuren Karten umsonst zu ergattern: „Die letzten Jahre hat es immer geklappt.“ Und wenn’s diesmal nichts wird? „Dann habe ich wenigstens ein paar Promis gesehen.“ FDP-Chef Guido Westerwelle zum Beispiel, der gerade den roten Teppich entlang schreitet. Oder Walther Momper, der mit roter Fliege und rotem Einstecktuch Farbe bekennt. Schwarze Limousinen und Taxis entlassen Frauen in langen Abendroben und Pelzen, die Männer tragen Smoking, allesamt.

Tennis-Star Boris Becker fährt vor, die Verlegerwitwe Friede Springer, die Politiker Rita Süssmuth, Wolfgang Schäuble, Jörg Schönbohm, Wolfgang Thierse, Matthias Platzeck, und Rainer Brüderle. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erscheint mit seinem Lebensgefährten Jörn Kubicki, um wie die anderen Gäste für HIV-Infizierte und an AIDS erkrankte Menschen zu spenden.

Bei der letzten Gala sind ungefähr 400 000 Euro zusammengekommen, diesmal soll es noch mehr werden. Das hofft zumindest Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Ich hoffe, dass die Gäste wieder viel, viel Geld mitbringen.“ Die rote Aids-Schleife trägt sie gut sichtbar an ihrem Blazer. „Aids ist immer ein Thema, sonst wäre ich nicht hier. Das ist immer noch ein Problem“, sagt Schauspielerin Mariella Ahrens, die gerade auf hohen Stöckelschuhen und mit tiefem Dekolleté durch die Glastür der Deutschen Oper stolziert ist. Auf ihrem schwarzen Abendkleid glitzern silberne Raubkatzen. Es ist 19 Uhr, das Opern-Programm kann beginnen. Thorsten Schmidt steht inzwischen nicht mehr am Teppich – vielleicht hatte er ja Glück.

Viola Volland

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