Im Zeichen der roten Sonne : Atomkraftgegner rufen für Sonnabend zur Großdemo auf

Angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan wollen Atomkraftgegner am Sonnabend in mehreren deutschen Großstädten demonstrieren. In Berlin werden bis zu 100.000 Menschen erwartet.

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Im vergangenen September kamen 100.000 Atomkraftgegner nach Berlin.
Im vergangenen September kamen 100.000 Atomkraftgegner nach Berlin.Foto: dapd

Die Demonstration beginnt um 12 Uhr am Potsdamer Platz und soll gegen 14 Uhr auf der Straße des 17. Juni enden. Die Veranstalter erwarten mindestens 50 000 Menschen, die Polizei deutlich mehr. Im vergangenen September hatte das Bündnis ebenfalls knapp 100 000 Atomgegner auf die Straße gebracht. Die aktuellen Ereignisse in Japan dürften mindestens so viele Menschen zur Teilnahme motivieren, hieß es bei der Polizei. Angemeldet wurde die Großdemo von den „Naturfreunden“, einem Umweltverband. Auseinandersetzungen werden nicht erwartet, auch im September hatten sich keine gewaltbereiten Extremisten unter die Masse gemischt.

Der Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde, Hans-Gerd Marian, sagte am Dienstag, dass die Idee zu den vier Großdemonstrationen in Deutschland erst vor wenigen Tagen entstanden sei. Deshalb seien erst am Dienstag die ersten Plakate geklebt worden.

Nach Marians Angaben hat die Polizei die Route an der CDU-Parteizentrale vorbei vorgeschlagen, „wir fanden die Idee sehr gut“. Wie berichtet, hatte es im Herbst 2010 im Vorfeld viel Ärger über die Route gegeben. Das Verwaltungsgericht hatte den Atomkraftgegnern verboten, auf der Reichstagswiese zu demonstrieren, mit der Begründung, der Rasen würde durch die Menge zu stark geschädigt. Die Demo musste deshalb vor dem Hauptbahnhof beginnen und enden. Da die Straßen in Mitte für die Menschenmassen viel zu eng waren, hat die für den Großbezirk Mitte zuständige Polizeidirektion 3 nun eine Strecke vorgeschlagen, die über breite Straßen führt. Die Demonstranten sollen über die Potsdamer Straße, das Reichpietschufer, Hofjägerallee bis zum Großen Stern und weiter auf die Straße des 17. Juni ziehen. Dort soll am Nachmittag eine Abschlusskundgebung auf einer großen Bühne stattfinden. Auftreten wollen die Bands „Wir sind Helden“ und „Mono und Nikitaman“. Autofahrer sollten Mitte und Tiergarten am Sonnabend meiden. Teilnehmer werden in zahlreichen Bussen auch aus anderen ostdeutschen Bundesländern erwartet.

„Nach Fukushima kann es nur eine Konsequenz geben: Atomkraft abschalten“, heißt es in einem Aufruf der Veranstalter. Weitere Großdemonstrationen sind am selben Tag in Hamburg, Köln und München geplant. „Der Respekt vor den Opfern in Japan verlangt jetzt von uns allen, keine Ruhe mehr zu geben, bis das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist“, schreiben die Veranstalter weiter.

Das nun von der Bundesregierung beschlossene dreimonatige Moratorium, reiche nicht aus, teilen die Organisatoren mit. Sie fordern: „Weg mit der Risikotechnologie Atomkraft – hin zu erneuerbaren Energien, Energie sparen und Energieeffizienz“. In den vergangenen Tagen hatten die Veranstalter bereits mehrere Mahnwachen vor dem Kanzleramt organisiert.

Unterstützt wird der Protest von vielen Verbänden wie Robin Wood, Attac und dem Bund für Umwelt und Naturschutz. Bei der letzten Großdemo im September hatten sich auch zahlreiche Spitzenpolitiker der Oppositionsparteien Grüne, SPD und Linkspartei unter die Demonstranten gemischt. Während im Herbst noch zahlreiche Traktoren dabei waren, soll die Demo am Sonnabend von zehn großen Lastwagen begleitet werden, eine Art Anti-Atom-Parade.

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