Imame : Zeugnis-Party für islamische Prediger

Die bundesweit erste Fortbildung für Imame und muslimische Seelsorger ist abgeschlossen. Die Vorbeter sollten das politische System und die Strukturen in Deutschland kennenlernen.

Ferda Ataman

„Muslime sind Menschen wie alle anderen auch“, sagt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zu den hundert Gästen im Saal. Da die meisten von ihnen Muslime sind, blicken einige irritiert, andere nicken nur. Körting ist Ehrengast bei der Schlussveranstaltung der bundesweit ersten Fortbildung für Imame. Dort erhalten am Dienstagabend elf Berliner Seelsorgerinnen und dreizehn Imame ein Teilnahmezertifikat – sie sind „Berlin-kompetent“, wie das Papier bescheinigt. Was sie damit anfangen werden, wissen viele noch nicht. Sie sind die ersten Prediger des Modellversuchs der Muslimischen Akademie.

In den 80 Gemeinden Berlins haben Imame und Seelsorger einen Vorbildstatus, doch viele kommen aus den Heimatländern der Gemeindemitglieder und kennen Deutschland kaum. Deswegen hat der Senat vor neun Monaten die „berufsbegleitende Fortbildung“ erproben lassen, die die Imame in die Strukturen des öffentlichen Lebens einführen soll. Begonnen hat der Vorbeter-Kurs mit 27 Teilnehmern aus 13 Berliner Gemeinden. Einmal im Monat haben sie sich vier Stunden lang zusammengesetzt, um etwas über das politische System in Deutschland zu erfahren, das deutsche Bildungs- und Gesundheitswesen oder die Geschichte der Stadt kennenzulernen. „Fast alle haben bis zum Ende durchgehalten“, sagte Günter Piening, der Integrationsbeauftragte des Senats, bei der Zeugnisfeier anerkennend. Die Teilnehmerin Marianne Kappler resümiert, die Weiterbildung sei eine „sehr schöne Sache“ gewesen. „Ich hätte allerdings gern noch einen Aufbaukurs, bei dem ich auch Praktika in den Behörden machen kann“, so Kappler.

Nicht alle äußerten sich positiv über die Ausbildung. „Es gab viel zu wenig Zeit für Diskussionen“, sagte Teilnehmer Suat Özkan später. Der „Frontalunterricht der Dozenten“ habe Fragen offengelassen. „Wir kommen aus 13 unterschiedlichen Gemeinden, aber weil wir keine Zeit für Gespräche hatten, gab es auch keine Reibereien.“ Außerdem hätte die Muslimische Akademie die Teilnehmer besser aussuchen müssen, so der türkischstämmige Muslim. Einige Kollegen konnten kaum Deutsch, „das hat den Unterricht blockiert.“ Erst im vierten Monat seien Dolmetscher bei den Exkursionen gewesen.

„Wir wollten mit dieser Fortbildung genau diese Leute erreichen“, sagte Piening zu den Sprachmängeln einiger Imame. Es sei nicht Sinn und Zweck gewesen, gut integrierte Prediger zu lehren. Bis September soll die Imam-Schulung, die parallel auch in München getestet wurde, ausgewertet werden. Ein Ergebnis der Teilnehmerbefragung steht jetzt schon fest: 80 Prozent der Lernfortschritte wurden offenbar nach dem Unterricht erzielt, bei Häppchen und Tee.Ferda Ataman

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