Berlin : Immer Ärger mit Schönbohm

Die neueste Anspielung auf Wowereits Homosexualität bringt nicht nur die SPD in Rage. Auch in der Berliner CDU brodelt es

Sabine Beikler

Berliner SPD-Politiker sind verärgert, und in der Landes-CDU brodelt es ebenfalls: „Unerträglich“ findet SPD-Landesvize Andreas Matthae die Äußerungen des Brandenburger CDU-Landeschefs und stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg Schönbohm über die Homosexualität des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit im Tagesspiegel am Sonntag. Auch CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer ist über Schönbohms Attacke „nicht amüsiert“. Mit Blick auf die Länderfusion werde gegenseitiges Vertrauen so nicht aufgebaut.

Schönbohm warf Wowereit das zweite Mal in zwei Wochen vor, er tue zu viel für Homosexuelle und zu wenig für Familien. Der Regierende Bürgermeister sei vor allem durch sein Outing bekannt und populär geworden. „Ich finde, wenn die sexuelle Verhaltensweise einen prominent macht, ist etwas nicht in Ordnung“, sagte Schönbohm dem Tagesspiegel. Wowereit ist der Star der Berliner Politik: Nach einer Infratest dimap-Umfrage des Tagesspiegels und des RBB ist jeder zweite Berliner mit seiner Arbeit zufrieden – also längst nicht nur SPD-Wähler.

Unterschwellig schüre der konservative Innenminister Vorurteile gegenüber Homosexuellen, sagte SPD-Landesvize Matthae. „Er versucht, sich weltläufig zu zeigen. Aber das ist noch nicht in seinen Geist eingedrungen.“ Die Gesellschaft habe sich von Schönbohms traditionellem Familienbild wegentwickelt.

Wenn die Landesregierungen Berlins und Brandenburgs die Fusionspläne ernst nehmen, müsse Schluss sein mit solchen „Frechheiten“, sagte SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller. Laut Umfrage würden heute 53 Prozent der Berliner für eine Fusion stimmen. Matthae forderte Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck auf, seinen Vize „zur Räson“ zu bringen. Der Potsdamer Koalitionspartner möchte sonst bei Schönbohm nicht allzu viel anecken. Trotzdem sagt Brandenburgs SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness, Schönbohm zeige „quartalsmäßig sein kleinkariertes und konservatives Denken“. Der General a.D. diskreditiere sich selbst. Deshalb habe sich die märkische SPD abgewöhnt, „aufgeregt darauf zu reagieren“.

Nach außen hin bleibt die Berliner CDU ruhig. Man habe nun mal „unterschiedliche Positionen“, sagt Berlins CDU-Generalsekretär Gerhard Lawrentz. Schönbohm habe aus „Brandenburger Sicht“ gesprochen. Dort gebe es „in weiten Teilen“ auch andere Lebensverhältnisse als in Berlin. Fraktionschef Nicolas Zimmer wird schon deutlicher: „Wie Wowereit arbeitet, ist keine Frage der sexuellen Orientierung.“ Einen Zusammenhang zwischen der Teilnahme am Christopher Street Day und der – seiner Meinung nach schlechten – rot-roten Familienpolitik könne er nicht erkennen. Intern ist man in der CDU richtig vergnatzt: Vor zwei Wochen trafen sich die CDU-Landesspitzen im „Gasthaus Moorlake“, um über die Fusion zu sprechen – und über Schönbohms erste Attacke auf Wowereit. Damals habe Schönbohm Besserung gelobt, heißt es. Inzwischen argwöhnen Berliner Unions-Politiker, dass die Brandenburger CDU offenbar nur wenig Interesse an der Fusion habe.

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