Berlin : Immer diese Erwachsenen

Sie sind als Helfer gern zur Stelle. Aber was halten eigentlich Kinder von ihren ehrenamtlichen Paten?

Emanuel (12)
Fleißig, fleißig. Beim Lesen muss man sich konzentrieren – es macht aber Spaß, das vermitteln Lesepaten unter anderem an der Wedding-Grundschule in Mitte. Foto: D. Spiekermann-Klaas
Fleißig, fleißig. Beim Lesen muss man sich konzentrieren – es macht aber Spaß, das vermitteln Lesepaten unter anderem an der...

Lesepate zu sein, macht Spaß und bereichert. Das Bürgernetzwerk Bildung im Verein der Berliner Kaufleute und Industriellen (VBKI) zählt allein 1900 Lesepaten, die 90 Kitas und 180 Schulen besuchen. Senioren widmen den Kindern Zeit und Aufmerksamkeit, Berufstätige und Studenten, die sich einen festen Termin in der Woche freihalten. Es gibt sogar Fortbildungen etwa in Kooperation mit der FU. Aber was halten eigentlich die Kinder von den Erwachsenen, wie wünschen sie sich die Paten an den Schulen?

Elisabeth Binder hat bei Mädchen und Jungen der Clara-Grunwald-Grundschule in Kreuzberg nachgefragt.



„WIR SUCHEN MATHE-GENIES“

Die älteren Lesepaten sind manchmal so streng. Die haben schon gelebt, als der Zweite Weltkrieg herrschte oder, nein, das gibt es vielleicht nicht mehr so viel, aber manche waren schon da, als die Mauer noch stand. Früher war alles viel strenger, und das merkt man. Ich habe mal ein bisschen gestottert beim Lesen und konnte ein Wort nicht sagen und habe es wiederholt und wiederholt und wiederholt, aber es ging einfach nicht. Da hat der Lesepate gesagt: ,Du bist doch voll doof in der Birne.’ Das fand ich nicht in Ordnung. Wie die Erwachsenen sein sollten? Sie sollten Kinder mögen und auf jeden Fall Kinder gut verstehen können. Frühere Lehrer oder Erzieher haben doch viele Erfahrungen mit Kindern. Es wäre schön, wenn mehr jüngere Leute kämen, die sich mit Kindern auskennen und wissen, wie wir sind. Es gibt auch noch die Senior Partners, die helfen uns, Konflikte zu lösen, wenn wir uns streiten. Bei denen war ich noch nie. Einmal wollte ich dahin, aber dann hat sich der Streit von selbst gelöst. Und dann gibt es noch die Hausaufgabenhelfer. Wir hatten mal einen, der hasste Kaugummis.

Es sind etwa zehn bis zwölf Erwachsene, die regelmäßig in die Schule kommen und helfen, ohne Geld dafür zu nehmen. Das finden wir gut. Es ist nicht so, dass nur die guten oder nur die schlechten Schüler Hilfe bekommen. Bei uns an der Schule ist es so, dass auf die schlechteren Schüler immer ganz viel Rücksicht genommen wird.

Was wir noch gebrauchen könnten? Uns fehlen Leute, die was von Mathe verstehen. Wir hatten eine Stunde Mathe mit Dezimalbrüchen und haben nichts verstanden. Es wäre schön, wenn Erwachsene kämen und das noch mal ganz langsam mit uns durchgehen.

Naja, und dann ist da noch etwas. Besonders die Jungsklos sind voll ekelig. Das wäre toll, wenn jemand helfen würde, die Schule schöner zu machen.Emanuel (12)

„BEIM GROSSPUTZ HELFEN, BITTE“ Manche Lesepaten wollen immer, dass es ganz leise ist. Die regen sich auf, wenn wir mal was sagen zwischendurch. Früher musste man ja auch ganz leise sein. Aber wir wollen uns nicht beklagen, es ist ja gut, dass sie kommen. Mit den Senior Partners habe ich noch nicht so viele Erfahrungen gemacht. Ich gehe lieber zu den Schülerlotsen, das sind Sechstklässler, die auch Streit schlichten bei den Jüngeren. Im Kindergarten war ich mal neidisch auf ein anderes Mädchen, das mit seiner Barbiepuppe angegeben hat. Da habe ich sie einfach auf dem Klo versteckt. Und die Erzieherin hat mich dann angeschrieen und geschimpft. Die hat gar nicht begriffen, worum es geht. Wir fänden es auch besser, wenn es Nachhilfe direkt in der Schule geben könnte. Manche Schüler gehen in die Nachhilfeschule, da denkt man immer, die werden bevorzugt, weil sie nicht in den normalen Unterricht müssen. Ich weiß auch noch etwas, was wir gut gebrauchen könnten: Leute, die die Schule schöner machen! Der Boden müsste mal erneuert werden, der sieht doch aus wie vom letzten Jahrhundert. Und die Fenster quietschen ganz laut. Es wäre auch schön, wenn mal jemand helfen könnte, Großputz zu machen. “Sieba, 11

„ICH HABE MIR RAT GEHOLT“

Ich war mal bei den Senior Partners, weil mich eine Mitschülerin in den Rücken gebissen hat. Richtig feste. Wir waren auf einem Ausflug, und sie kam von hinten. Was kann man denn da tun? Die macht das immer wieder. Da habe ich mir Rat bei den Senior Partners geholt. Da würde ich wieder hin gehen. Das fand ich gut. Yussra, 9

Infos dazu, wie man Lesepate werden kann, gibt es beim Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, Telefon 726 10 856, www.vbki.de und bei der Bürgerstiftung, Telefon 832 28 113, im Internet: www.buergerstiftung-berlin.de

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