Immobilienmarkt : Mieten steigen trotz leerer Wohnungen

Die Immobilienpreise sinken, aber die Mieten steigen. Häuser verlieren dramatisch an Wert, in einfachen Lagen bis zu 50 Prozent. Wohnungsunternehmen werfen dem Senat vor, indirekt Leerstand zu fördern.

Christian Hunziker,Ralf Schönball

Die Finanzkrise hat den Berliner Immobilienmarkt fest im Griff: Von „Marktstarre“ spricht der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, weil die Zahl der verkauften Immobilien sank und sich der Umsatz im vergangenen Jahr halbierte. Wegen der geringen Nachfrage fallen auch die Preise – um bis zu 50 Prozent. Für die Mieter in der Stadt gibt es deshalb aber keine Entwarnung.

Denn nach Angaben des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) steigen die Mieten unaufhaltsam: um 2,5 Prozent im vergangenen Jahr. Die durchschnittliche Nettokaltmiete in Berlin betrage 5,75 Euro je Quadratmeter im Monat – fast einen Euro mehr als im Jahr 2001.

Wegen der stark steigenden Mieten in der Innenstadt werden oft auch junge Familien aus ihren Vierteln verdrängt: „Selbst wenn sie gut verdienen, können sich viele die Wohnungen nicht mehr leisten“, sagt Werner Oehlert. Der Chef von Asum ist im Auftrag des Bezirks zuständig für 4500 Wohnungen in Sanierungsgebieten von Friedrichshain. Oehlert zufolge gebe es sogar „massive Probleme“, solche Wohnungen an Haushalte mit geringeren Einkommen zu vermieten, deren Sanierung mit Steuergeldern subventioniert wurde. Dabei habe das Land bei solchen Objekten ein Recht darauf, bei der Auswahl der Mieter mitzureden.

„Die Stadt zerfällt immer stärker in trendige Kieze und absteigende Viertel“, sagte der Chef des Berliner Mietervereins, Hartmann Vetter. Diese Entwicklung werde sich in diesem Jahr weiter verschärfen. Es sei ein „Hirngespinst“, weiterhin anzunehmen, dass es genügend bezahlbare Wohnungen in Berlin gebe.

In schlechten Lagen geraten die Preise von Wohnhäusern besonders stark unter Druck: „In einfachen Lagen sind die Preise um bis zu 50 Prozent gefallen“, sagte Roman Döbele, Vorstandsvorsitzender des Berliner Immobilienunternehmens Grüezi Real Estate. Das gelte etwa für Wohnhäuser in Neukölln, die vor eineinhalb Jahren für 1000 Euro pro Quadratmeter gehandelt wurden – und heute nur noch für 500 bis 700 Euro. In guten Innenstadtlagen seien die Preise „nur um etwa zwanzig Prozent“ gesunken. Stefan Kiehn von der Fondsgesellschaft Herkules Grundbesitz beobachtet, dass auch „intakte Mietshäuser“ teilweise für weniger als 400 Euro pro Quadratmeter auf den Markt geworfen werden.

Der Chef des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Ludwig Burkardt, forderte den Senat dazu auf, „nicht länger eine Wohnungspolitik nach Kassenlage zu machen“. Von den landeseigenen Wohnungsunternehmen verlange der Finanzsenator hohe Renditen, die Umweltsenatorin hohe Investitionen in regenerative Technik und die Stadtentwicklungssenatorin Hilfen bei der Stabilisierung sozialer Brennpunkte. Dies könnten die Unternehmen wegen der finanziellen Lasten etwa durch den vorzeitigen Abbau öffentlicher Förderungen nicht leisten.

Als Beispiel für die verfehlte Wohnungspolitik nannte der Verbandschef den Leerstand von 12 000 Sozialwohnungen, die mit Millionen an Steuergeldern errichtet wurden. Wegen des Abbaus von Förderungen seien deren Mieten zu hoch für Geringverdiener, für Normalverdiener aber sei ihre Lage nicht attraktiv. Diese Situation verschärfe sich, falls wie geplant weitere Förderungen gestrichen würden. Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist man die Kritik zurück: „Es gibt keine Wohnungsnot“, sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Berlin stehe als Mieterstadt sehr gut da.

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