Immobilienmarkt : Tempelhof ist in – nach dem Aus

Nach dem Ende des Flugbetriebs in Tempelhof werden boomt der Immobilienmarkt in den ehemaligen Einflugschneisen. Eine Studie prognostiziert Wertsteigerungen für Objekte, die in Friedenau und Neukölln liegen.

Klaus Kurpjuweit,Christoph Stollowsky

 In Tegel dagegen ist nach der Schließung des Flughafens keine ähnliche Reaktion zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Verkehrsökonomie der Universität Hamburg. „Sollte der Weiterbetrieb eines innerstädtischen Flughafens politisch gewollt oder vertretbar sein, spricht die ökonomische Kosten-Nutzen-Bilanz folglich für einen Weiterbetrieb in Tegel und für die Schließung von Tempelhof“, sagte Gabriel Ahlfeldt, der die unabhängige Studie erstellt hat. Die Untersuchung sei für den Berliner Raum bisher einzigartig.

Demnach sind innerhalb der Einflugschneisen in Richtung Tempelhof bei den Immobilien „signifikante Preisabschläge“ in Höhe von fünf bis neun Prozent gegenüber den Bereichen außerhalb des Fluglärms zu verzeichnen. Berücksichtigt wurden Gebiete in bis zu fünf Kilometer Entfernung vom Flughafen, sagte Ahlfeldt dem Tagesspiegel. Der Preisabschlag deute auf eine „spürbare Beeinträchtigung“ der Lebensqualität der Anwohner durch Lärm und Abgase hin. Ohne Flugbetrieb gebe es dagegen wahrscheinlich keinen Abschlag mehr.

Überrascht war der Volkswirt vom Ergebnis seines Preisvergleichs in Tegel. Dort gebe es keine messbaren Abschläge, was darauf hindeute, dass der Fluglärm von den Anwohnern und Gewerbetreibenden nicht so sehr als Belastung empfunden werde, dass es die Zahlungsbereitschaft für Wohn- und Geschäftsräume spürbar einschränke. Immobilien-Makler im Berliner Norden sehen dies allerdings „differenzierter“, so eine Sprecherin der Firma A.B. Immobilien. „Wenn bei Verkaufsgesprächen ein Jet über den Dachfirst donnert, versuchen Interessenten gerne den Preis zu drücken.“

Für Friedenau im weiteren Umkreis von Tempelhof bestätigen Kenner des Berliner Immobilienmarktes die Ergebnisse der Studie. Schon jetzt würden die Preise der beliebten Eigentumswohnungen in gründerzeitlichen Altbauten dort leicht ansteigen, heißt es. Zum einen wegen des ohnehin „besser laufenden Immobiliengeschäftes“, aber auch wegen der Aussicht auf weniger Fluglärm. Im nahen Umfeld des Flughafens deckt sich die Studie hingegen nicht mit den Erfahrungen der örtlichen Makler. „Es gibt genügend Leute, die speziell den traditionsreichen Stadtflughafen in der Nachbarschaft interessant finden und sich vom Flugbetrieb nicht abschrecken lassen“, sagt Bärbel Grünwald, deren Maklerbüro seit zwanzig Jahren auf den Berliner Süden spezialisiert ist. Die Leute nehmen den Lärm buchstäblich in Kauf.“ Deshalb seien die Immobilienpreise sogar in Bereichen, wo landende oder startende Flugzeuge besonders niedrig fliegen, kaum geringer als in vergleichbaren anderen Berliner Lagen. Und in der Gartenstadt Neu-Tempelhof rund um die Manfred-von-Richthofen-Straße übersteige die Nachfrage nach den begehrten Ein-bis Zweifamilienhäusern im Grünen sogar seit langem das Angebot – trotz der zeitweilig über die Dächer brausenden Flugzeuge.

Steigende Preise im Hinblick auf die geplante Schließung am 31. Oktober dieses Jahres erwartet Bärbel Grünwald deshalb im unmittelbaren Umfeld des Flughafens nicht. Es seien bisher auch keine Immobilien-Spekulanten unterwegs, bestätigt ihr gleichfalls im Süden tätiger Kollege Richard Böker. „Die Chancen sind zu gering.“

Außerhalb der Einflugschneisen wirken sich die Flughäfen in Tegel und bereits auch in Schönefeld nach der Studie des Institutes für Verkehrsökonomie positiv auf die Preise von geschäftlich genutzten Immobilien aus. Offensichtlich profitiere die Berliner Geschäftswelt von der Nähe zu diesen beiden Flughäfen. Für den Flughafen Tempelhof sei dieser Effekt dagegen nicht zu beobachten, was ein Indiz dafür sei, dass die Anlage in Tempelhof zu klein sei, um messbare positive Auswirkungen auf gewerbliche Immobilienpreise außerhalb der Einflugschneisen zu haben.

Die Hamburger Studie kommt zu dem Schluss, dass ein Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof aus ökonomischer Sicht nicht zu rechtfertigen sei, da der Belastung der Anwohner keine wesentlichen positiven Wirkungen gegenüberstünden und der Flugbetrieb nicht profitabel sei. Wenn ein Flughafen in Betrieb bleiben sollte, käme nur Tegel in Frage.

Beschlossen - und gerichtlich bestätigt – ist, dass der Flugbetrieb in Tegel spätestens ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des neuen BBI-Flughafens in Schönefeld geschlossen wird. Wie für Tempelhof gibt es auch für Tegel noch kein Nachnutzungskonzept.

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