Berlin : In 26 Hallen um die Welt

Die Internationale Tourismus Börse unterm Funkturm wurde eröffnet. Erst dürfen nur Fachbesucher hinein, ab Freitag dann jedermann

Bernd Matthies

Endlich fühlt sich Matthias Platzeck mal wieder richtig wohl in seiner Haut. Kein Parteifreund weit und breit, nur er und die Presse und die Chefs des brandenburgischen Tourismus – da beißt er mit Appetit in eine saure Gurke, und das gereifte Paar im Bademantel, das neben ihm in einem Spreewaldkahn liegt, lächelt dazu freundlich in die Kameras. Es kommt fast ein wenig Grüne-Woche-Stimmung auf, auch als Klaus Wowereit sich ein paar Hallen weiter im Geschwindmarsch die Balearen erklären lässt. Ein wenig Action, ein wenig Menscheln, das ist rar an diesem ersten, nur für Fachbesucher offenen Tag der ITB, die ihren angestammten Namen „Internationale Tourismus-Börse“ versteckt wie der Pfarrer sein illegitimes Kind. „The world’s leading travel trade fair“ möchte sie nun ganz offiziell heißen.

Diese ersten Tage stehen im Zeichen des Geschäfts, Privatbesucher werden erst ab Freitag, 13 Uhr, eingelassen. „Hier wurden schon ein paar knallharte Abschlüsse gemacht“, sagte Ritz-Carlton-Sprecherin Marion Schumacher kurz nach Messebeginn, „wenn am Freitag das Publikum kommt, muss alles erledigt sein.“ Schlag auf Schlag folgen an diesem Vormittag unglaublich langweilige Pressekonferenzen, auf denen Funktionäre zahlenpralle Bandwurmsätze herunterbeten, die vom Dolmetscher noch einmal in halbem Tempo wiederholt werden.

Alle haben Erfolgsbilanzen mitgebracht, sehen sich in all ihren Prognosen bestätigt, und nur ganz verschämt wird da und dort eingeräumt, dass die Vogelgrippe Sorgen bereitet. Und die Präsentation Indonesiens mit einem begeistert plaudernden Minister vor riesigem Pappmaché-Tempel wird durch die Mitteilung getrübt, dass die islamische Regierung an einem Verbot öffentlich gezeigter Küsse und nackter Schultern arbeitet. Ob das auch in all den wunderbaren Hotels gilt?

Ein wenig irreal ist sie, die Welt des Tourismus, das spürt der Besucher vor allem dort, wo der Stand des fast schon wieder boomenden Israels an jenen des Irans grenzt, dessen Präsident Israel ja bekanntlich ausradieren will, möglicherweise, um auf der ITB mehr Platz zu haben. Der Touristen-Iran aber zeigt sich friedlich, bärtige Männer spielen bärtige Musik, Frauen tragen sittsam Kopftuch.

In Deutschland spielt die Fußball-WM eine große Rolle, Ballack lächelt vom Brandenburger Tor, aber auch die Nachbarn wollen profitieren: Die Schweiz hat einen Kicker-Spieltisch zum Trainieren aufgebaut, der jedes Tor mit lautem Kuhglockengebimmel quittiert. Die Bühnen sind bereits überall aufgebaut, bleiben aber weitgehend leer; an diesem ersten Tag tapern nur ein paar Pandadarsteller und Plüschbären durch die Hallen, sie könnten ja für ein Foto gebraucht werden – aber die Profis laufen an ihnen vorbei auf dem Weg von Termin zu Termin.

Voll ist es dennoch, die ersten Tüten werden mit Prospekten voll gepackt. Und das Interesse konzentriert sich ebenso auf deutsche Mittelgebirge wie auf jene fernen Länder, in denen blaues Badewasser bis zum Horizont reicht und wieder zurück. Dorthin muss man fliegen, und deshalb zeigen die großen Fluggesellschaften, was sie haben: „Emirates“ setzt seine Besucher in die transparente Nase des neuen Riesen-Airbusses. Und ein vom Jetlag gequälter asiatischer Manager fragt: „Warum ist diese riesige Reisemesse eigentlich in einer Stadt, die man von Asien nur über Frankfurt erreicht? Sollte sie da nicht lieber gleich in Frankfurt stattfinden?“ Stimmt nicht ganz: Der Berliner Vorort Doha in Qatar verbindet die Stadt mit über 60 asiatischen Zielen.

Privatbesucher: 10. März von 13-18 Uhr, 11. und 12. März von 10-18 Uhr, Eintritt 13 Euro, Freitag 6,50 Euro.

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