Berlin : In 300 Meter Höhe ein Gefühl wie in einem U-Boot

KLAUS KURPJUWEIT

Anstrich für Antennenträger auf dem Fernsehturm / Farbe für Betonschaft ungeklärtVON KLAUS KURPJUWEIT BERLIN.Knapp 300 Meter über der Erde ist es eng wie in einem U-Boot.Nur die Leitern sind länger, viel länger.Senkrecht geht es hier - im Innern der Antennenspitze des Fernsehturms - in die Höhe, vorbei an einem Wirrwarr von Kabeln, dünnen und armdicken.Ganz oben hat der Schacht nur noch einen Durchmesser von rund 80 Zentimetern.Obwohl gesichert - maximal ist ein Abrutschen nur um wenige Zentimeter möglich - schaffe nicht jeder den Aufstieg, sagt Wolfgang Dannowski, der seit 1996 den Austausch der Antennenanlagen auf dem "Tele-Spargel" leitet. Und schon schwingt er sich - wieder wie in einem U-Boot - elegant durch eine schmale Lucke am Fuß des Antennenträgers, wo man nach draußen auf den "Eisteller" gelangt.Wer den Weg nicht so kennt wie Dannowski, tastet sich nur ganz vorsichtig, Schritt für Schritt, auf die Plattform, den Blick nach unten zunächst meidend.Auch hier ist es eng, hier lagert das Material für den Austausch der Antennenanlagen, und hier, in 250 Meter Höhe, stehen auch die Maschinen, die man für den Anstrich des Antennenträgers benötigt.Strahlend rot-weiß präsentiert sich bereits wieder das erste Segment unter der Spitze.Gearbeitet wird von oben nach unten. Dort, in gut 300 Meter Höhe, haben die Spezialsten nicht viel vom Ausblick.Sie sind gut eingepackt, hinter Planen und dem grünen Sicherheitsnetz.Nichts, auch kein Dreck, darf nach unten fallen, wo die Passanten trotzdem ebenfalls durch aufgespannte Netze geschützt werden.Werkzeuge sind ohnehin am Körper festgeschnallt.Zum ersten Mal seit der Fertigstellung 1969 erhält der Antennenträger auch einen neuen Korrosionsschutz.Dafür müssen die alten Farbschichten abgestrahlt werden.Allein für die ersten 25 Meter sind sechs Tonnen Strahlmittel verbraucht worden.Sie werden nun im Straßenbau verwendet. Während vieles aus DDR-Zeiten marode ist, hätte der Anstrich an der höchsten Stelle der Stadt durchaus noch einige Jahre gehalten, räumt Dannowski ein.Doch es habe sich angeboten, den Neuanstrich mit dem jetzt erforderlichen Austausch der Antennen zu verbinden.Gestrichen werden darf nach Vorgaben des Instituts für Korrosionsschutz nur von Hand; wegen der Sorgfalt.Insgesamt zwölfmal überprüfen die Kontrolleure, ob die Schichten auch ausreichend decken.Der Antennenträger darf sich bei stürmischem Wind zwar um fast einen halben Meter neigen, aber rosten darf er nicht. Fünf Fernsehprogramme, ORB, Pro 7, BBC-World, n-TV und TV Berlin, sowie insgesamt 12 UKW- und 2 digitale Programme werden vom Langen am Alexanderplatz abgestrahlt.Mit den neuen Antennen sollen weitere Programme hinzukommen.Der insgesamt 368 Meter hohe Turm, über dessen Abriß auch schon nachgedacht worden war, habe einen idealen Standort, sagt Dannowski. Und das Bauwerk, von 1965 bis 1969 auch als Prestigeobjekt errichtet, bleibt stehen.Mit der neuen Antenne wurde es sogar drei Meter höher und mißt jetzt 368 Meter.Insgesamt rund 100 Millionen Mark investiert die Telekom, um den Turm zu sanieren und die technischen Anlagen zu modernisieren.Dies sei zwar, wie Dannowski sagt, weitgehend ohne längere Abschaltungen von Programmen gelungen, doch viele Hauseigentümer mußten auf ihre Kosten ihre Empfangsantennen neu einstellen lassen, manchmal sogar mehrfach.Besonders häufig betroffen war davon der ORB. Die Arbeiten am Turm werden bis 1999 dauern.Eine strittige Frage ist dabei immer noch nicht entschieden: Welche Farbe erhält der 250 Meter hohe Betonschaft? Zumindest keinen "Telekom-Look", versichert Telekom-Sprecher Bernhard Krüger. Dem Funkexperten Dannowski ist das Aussehen des Turmes ziemlich egal, die Technik muß funktionieren.Und davon ist er überzeugt.Nach getaner Arbeit geht er 1999 in den Ruhestand.Dann sitzt er vielleicht gelegentlich im Turmcafé und läßt sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn ein Bauwagen, am Kran hängend, an der Aussichtskugel vorbeischwebt.Den Aufstieg "im U-Boot" überläßt er dann aber sicher anderen."Wahrscheinlich passe ich sowieso nicht mehr durch", sagt Dannowski und lacht.

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