Berlin : In bester Gesellschaft

Harrison Ford ist auf Berlin-Tour wegen seines neuen Films. Im Roten Rathaus schrieb er sich ins Gästebuch ein

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Geordnete Verhältnisse? In Berlin? Das hören wir natürlich gern. Das geht uns runter wie Butter. Tausend Dank, Mr. Ford, tausend Dank. „Die Stadt, in der Schauspieler Schauspieler sind und Politiker Politiker.“ In der es keine Vermischung gibt wie bei ihm in Kalifornien. Wo BKlasse-Schauspieler zu Präsidenten aufsteigen und Muskelmänner ins Amt des Gouverneurs drängen.

Aber zu so direktem Kommentar lässt sich Harrison Ford natürlich nicht hinreißen. Es bleibt beim Nadelstich, bei der beiläufigen Sottise, die zugleich der humoristische Höhepunkt dieser Nachmittagsrunde im Wappensaal des Roten Rathauses ist. Alles andere würde ja auch gar nicht passen, nicht zum Anlass der Eintragung ins Gästebuch der Stadt Berlin, nicht zum Humor von Fords neuem Film„Hollywood Cops“, für den er hier doch Reklame machen will. Und nicht zu seinem feinen, distinguierten Lächeln, der dezenten Gelassenheit, mit der Ford die Honneurs von „Mayor“ Klaus Wowereit entgegennimmt.

Eine stil-, ja fast weihevolle Veranstaltung, zu der der Regierende Bürgermeister gestern in seinen Amtssitz geladen hatte. Eigens war unten noch ein zusätzlicher roter Teppich ausgerollt worden, mehrere Polizeiwagen, und Absperrungen zeugten von der Bedeutung des Gastes. Zaungäste waren, wie Wowereit seinem Gast zu bedenken gab, weitaus zahlreicher erschienen, als es bei manchem Staatspräsidenten der Fall ist. Nicht zu vergessen die eigenen Rathaus-Mitarbeiter, die alle möglichen guten Gründe gefunden hätten, zu dieser Stunde anwesend zu sein.

Auch manches bekannte Gesicht aus der Filmbranche hatte sich eingestellt, ließ sich hinterher gerne dem Star aus Hollywood vorstellen und wechselte einige Höflichkeiten. Michael Gwisdek hatte seinen Spaß daran, Artur Brauner ebenso und der Direktor des Filmmuseums Hans Helmut Prinzler.

Aber zunächst war ja eine Unterschrift zu leisten, übrigens mit schwarzem KIugelschreiber „einer Edelmarke“, wie aus der Senatskanzlei im Vorfeld zu erfahren war. Früher sei Füllfederhalter üblich gewesen. Sogar die Klecksgefahr hat man also vorsorglich gebannt. Der eigentliche Schreibakt, fotofreundlich inszeniert, war dann von warmem Beifall begleitet.

Für Harrison Ford ging mit der Unterschrift und den anschließenden Plaudereien ein harter Arbeitstag zu Ende. Interviews am laufenden Band, diesmal fürs Fernsehen. Die schreibende Presse ist erst heute dran, und abends geht es für ihn und seine Verlobte Calista Flockhart alias Ally McBeal schon weiter. Die fehlte im Rathaus, sehr zum Bedauern von Klaus Wowereit, obwohl er natürlich vollstes Verständnis dafür hatte, dass sie sich statt dessen lieber Berlin ansehen wollte. Harrison Ford wird dazu kaum kommen, lobte und pries die Stadt aber dennoch, erinnerte auch höflich an die vielen Deutschen, die es in Hollywood zu etwas gebracht hatten.

Der Tag, so vermutete man beim Verleih Columbia Tristar, würde sicher ruhig enden, im Hotel Four Seasons, wo das Paar am Sonntag angekommen war. Dort sollte am ersten Abend eigentlich ein geruhsames Essen im Restaurant stattfinden, das dann doch etwas anders verlief: Zaungäste und Fotografen, die draußen scharenweise am Fenster hingen. So ein Star hat es doch schwer. ac/vv

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