• In der Kochstraße hat Dutschke wenig Sympathisanten Bezirksamt lehnt Beteiligung an Kosten ab, die Anwohnern durch die Umbenennung entstehen

Berlin : In der Kochstraße hat Dutschke wenig Sympathisanten Bezirksamt lehnt Beteiligung an Kosten ab, die Anwohnern durch die Umbenennung entstehen

Thomas Loy

Nebil Goekmen vom Juweliergeschäft ist „total dagegen“. Ayse Yaris, die einen Friseurladen hat, sagt: „Muss nicht sein.“ Iwona Srubas, die hier wohnt, ist der Ansicht: „Die Kochstraße soll Kochstraße bleiben.“ Und Alla Kucherova findet das alles „nicht so gut“. Aber eigentlich hat sie die Frage nicht richtig verstanden. „Ich bin eine russische Frau.“

Die Entscheidung der BVV Friedrichshain-Kreuzberg, den östlichen Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen, stößt bei den meisten Anwohnern auf Ablehnung. Viele stammen aus der Türkei, aus Polen oder Ex-Jugoslawien und haben mit deutscher Geschichte nichts am Hut. Bevor die Diskussion Ende 2004 zum 25. Todestag des Studentenführers losbrach, wussten sie gar nicht, wer Rudi Dutschke ist. Die Kochstraße sei überall in Berlin bekannt, sagen sie. Als „Rudi-Dutschke-Straße“ werde ihr Wohnort praktisch anonym.

Aber auch Anwohner mit deutscher Biografie äußern sich negativ. „Det is ne große Sauerei“, findet Klaus-Peter Reimann, selbst mal 68er-Aktivist, „der gleiche Jahrgang wie Rudi“. Dutschke steht ihm politisch nah, sogar bei seiner Beerdigung sei er gewesen, aber in der Kochstraße möchte er ihn nicht haben. „Solln’se doch irgendeen Platz im Osten nach ihm nennen, wo keener wohnt.“ Reimann, gerade arbeitslos geworden, sorgt sich um Mehrkosten. „Neuer Personalausweis und so. Wer bezahlt mir det?“

„Nicht im Ansatz“ könnten Anwohner vom Bezirksamt eine Erstattung von Kosten erwarten, die ihnen durch die Umbenennung entstünden, sagte ein Bezirkssprecher. Für entsprechende Klagen, die Geschäftsleute angedroht hatten, sieht der Bezirk keine rechtlichen Grundlagen.

Reimann fühlt sich als Bürger von der Politik übergangen. „Im Mai, da war mal so ’ne Veranstaltung, aber da ham’se einfach abgeblockt.“ Die Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion, veranstaltet vom Bezirksamt für die Anwohner, aber gekommen war nur eine Hand voll Betroffener. „Eine reine Veranstaltung der BVV-Parteien“, sagt Kurt Wansner von der CDU. „Auf dem Podium saßen nur Befürworter der Umbenennung.“

Knut Mildner-Spindler von der Linkspartei-PDS stellt es anders dar, bestätigt aber, dass kaum Anwohner dabei waren. Aus der geringen Resonanz schlossen PDS und Grüne, die die Umbenennung vorantreiben, dass die Anwohner nichts gegen eine Rudi-Dutschke-Straße einzuwenden hätten. Die CDU, die das Projekt von Beginn an bekämpfte, sammelte dagegen im Kiez fast 1000 Unterschriften gegen den neuen Namen und lud die Anwohner zu einer Gegenveranstaltung ein.

Kurt Wansner unterstellt Linkspartei und Grünen, den Bürgerwillen „ideologischen Motiven unterzuordnen“ und fordert das Bezirksamt auf, dem BVV-Beschluss nicht zu folgen. Und wenn doch, soll Stadtentwicklungssenatorin Junge- Reyer eingreifen und das Verfahren an sich ziehen. (mit ddp)

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