Berlin : In Erichs Lampenladen geht wieder Licht an

Christian van Lessen

Das Schloss wird vielleicht kommen, aber bessere Chancen hat derzeit der Palast der Republik: Er soll zumindest vorübergehend wiederbelebt werden - wenn es nach der Schlossplatz-Kommission geht. Das von Bund und Land Berlin eingesetzte Expertengremium hat sich gestern einvernehmlich für "Zwischennutzungen" in bereits asbestbefreiten Teilen des Bauwerks ausgesprochen. Vom nächsten Frühjahr könnte es hier kulturelle Veranstaltungen, auch kleine Kongresse geben, sagte der Vorsitzende Hannes Swoboda. Es gebe bereits konkrete Konzepte.

Damit sei jedoch keine Entscheidung für die Erhaltung des seit elf Jahren geschlossenen Palastes der Republik getroffen worden, versicherte als Kommissionsmitglied die Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Adrienne Goehler. Das Gremium aber hatte sich überraschend kurz und einvernehmlich darauf verständigt, das Gebäude hauptsächlich für künstlerische Veranstaltungen "von den Sophiensälen über die Staatsoper" zu nutzen, den Ort "zu beatmen", wie Swoboda formulierte.

Auch der im nächsten Jahr vorgesehene internationale Architekturkongress könnte Teile mieten. Zwischen dem Bund als Eigentümer und dem Bezirk sollte eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die Einzelheiten klären müsse, hieß es. Die Kulturstätte Sophiensäle hat bereits ein "Pilotprojekt" entwickelt, bestätigte die künstlerische Leiterin Amelie Deuflhard. Im nächsten Sommer könnte Musik von Wagner im ehemaligen Volkskammersaal aufgeführt werden.

Der Saal gehört schon jetzt zu den asbestbefreiten 60 Prozent des Palastes. Die Bauarbeiten sollen bis zum nächsten September dauern. In den rohbauähnlichen Gemäuern ließe sich den Veranstaltungen eine "gewisse Einmaligkeit und Attraktivität" vermitteln, sagte der österreichische Europa-Abgeordnete Swoboda, der auf ähnliche Erfahrungen aus Wien verwies. Nach Ansicht von Senatorin Goehler sollte das Haus frühestens im nächsten Frühjahr geöffnet werden, einzelne "temporäre Projekte" dürften nicht länger als drei Monate dauern.

Was die längere Sicht angeht, zeichnet sich in der Kommission, die nun spätestens Anfang Februar eine Empfehlung für die künftige Gestaltung des Schlossplatzes abgeben will, eine Mehrheit für das "Schloss" oder ein ihm ähnelndes Bauwerk ab. Swoboda sprach zwar von einem "Gebäude, von dem wir nicht wissen, wie es aussieht", kam dann aber doch schnell auf das Schloss zu sprechen. Einer seiner Höfe müsse gläsern überdacht und genutzt werden, wenn man alle Platzansprüche für die in Aussicht genommenen Interessenten berücksichtigen wolle. Die in Dahlem angesiedelten außereuropäischen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben inzwischen einen Bedarf von 39 000 Quadratmetern angemeldet, die Zentral- und Landesbibliothek 44 000 Quadratmeter, die Humboldt-Universität für ihre wissenschaftlichen Sammlungen 8000 Quadratmeter. Dazu kommt noch die "Agora" mit möglichst privat finanzierten Veranstaltungssälen, Restaurants und Geschäften, für die 13 000 Quadratmeter vorgesehen sind. Dieser Teil soll als öffentlicher Magnet dienen, "mit dem auch ein bisschen verdient werden kann".

Alles zusammen aber lässt sich kaum auf dem einstigen Schlossgrundriss unterbringen, so dass Swoboda schon mahnte, die künftigen Nutzer sollten auf Einsparungen achten und das Gelände "nicht vollstopfen".

Der Vorsitzende machte deutlich, dass man sich über einen Konsens in der Kommission keine Illusionen machen solle. Es gebe Mehr- und Minderheits-Voten. Ursprünglich wollte sich die Kommission gestern mit dem städtebaulichen Umfeld des Schlossplatzes beschäftigen, etwa mit einer Verengung der Breiten Straße und einer neuen Randbebauung. Aber Senatsbaudirektor Hans Stimmann konnte wegen der Koalitionsverhandlungen nicht kommen.

So konzentrierte sich die Kommission auf das ehemalige Staatsratsgebäude. Es müsse erhalten und möglichst bald überzeugend genutzt werden. Beispielsweise für architektonische Ausstellungen der Planungen am Schlossplatz, an dem irgendwann die Schinkelsche Bauakademie wiedererstehen soll. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung könnte einziehen. Nach dem Auszug des Bundeskanzleramtes werden Teile vorübergehend vom Bundesnachrichtendienst genutzt.

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