• In manchen Städten wurde die SPD glatt halbiert - wer wo besonders stark und besonders schwach war

Berlin : In manchen Städten wurde die SPD glatt halbiert - wer wo besonders stark und besonders schwach war

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Die größte Verliererin nach der SPD ist in Brandenburg die Demokratie. In vielen Städten und Gemeinden fiel die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent. In Brandenburg / Havel fanden gerade mal 48,7 Prozent der Stimmberechtigten den Weg zur Urne. In Prenzlau lag die Beteiligung bei traurigen 41,3 Prozent. In einigen Wahlbezirken von Neuruppin gaben weniger als 40 Prozent der in den Wahllisten verzeichneten Bürger ihre Stimme ab. Für das Privileg der freien und geheimen Wahl, 1990 in der ehemaligen DDR noch euphorisch begrüßt, interessiert sich vielerorts nur noch eine Minderheit.

Die Sozialdemokraten mussten in vielen Kommunen weit über dem Durchschnitt Federn lassen. In Rheinsberg rutschten sie um mehr als 20 Prozentpunkte ab, von 60,7 auf 38,9 Prozent. In Blankenfelde (Kreis Teltow- Fläming) kamen die Genossen nur noch auf 27,5 Prozent und büßten damit fast die Hälfte ihrer Stimmen ein. Der Erdrutsch war so groß, dass sogar die Grünen davon profitierten und mit 4,4 Prozent einen leichten Zugewinn von 0,2 Prozent verbuchen konnten.

Grüne stark in Kleinmachnow

Auch in Kleinmachnow behaupteten sich die Grünen gegen den Landestrend und legten von 5,5 auf 6,7 Prozent zu. Die DVU verbuchte hier nur 2,1 Prozent. Auch die Pritzwalker erwiesen sich mit 2,6 Prozent als relativ DVU-resistent. In Potsdam kamen die Rechtsradikalen auf 2,9, in Frankfurt (Oder) auf 3,7 Prozent. In den meisten Gemeinden liegt die DVU jedoch klar über 5 Prozent.

Einen positiven Ausreißer in Sachen Wahlbeteiligung bieten Luckau und Zeuthen im Landkreis Dahme-Spreewald. Hier gingen fast 60 Prozent der Stimmberechtigten zur Wahl. Die Spreewaldgemeinden wurden vom politischen Erdbeben nicht so stark erschüttert wie andere Landesteile. Die SPD landete in Luckau bei 48 Prozent, 8 Prozent weniger als 1994. Auch in Wildau (44,4 Prozent) und Lübben (43,9 Prozent) wurden die Sozialdemokraten milde behandelt.

Am stärksten waren die SPD-Verluste im Wahlkreis 15 (Barnim III). Dort erhielt die SPD 21,3 Prozentpunkte weniger Zweitstimmen als vor fünf Jahren. Am geringsten waren die Verluste im Wahlkreis 41 (Cottbus II) von Ministerpräsident Manfred Stolpe. Er verteidigte hier auch sein Direktmandat. Konnte die SPD 1994 noch alle Direktmandate holen, verlor sie jetzt sieben und kommt noch auf 37.

Der Achtungserfolg von CDU-Landeschef Jörg Schönbohm

Die CDU gewann überall bei den Zweitstimmen. Sie erzielte ihre besten Ergebnisse in den südlichen Wahlkreisen 35 und 36 (Elbe-Elster I und II) sowie 37 (Oberspreewald-Lausitz I). Einen Achtungserfolg errang CDU-Landeschef Jörg Schönbohm in seinem Wahlkreis 23 (Potsdam- Mittelmark III). Hier konnte die CDU ihr Zweitstimmenergebnis um 13,2 Prozentpunkte steigern.

Die rechtsextreme DVU erzielte ihr bestes Ergebnis im Wahlkreis 17 (Märkisch-Oderland II) mit 7,4 Prozent der Zweitstimmen. Ebenfalls relativ stark war sie in den südlichen Wahlkreisen 36, Elbe-Elster II, und 37, Oberspreewald-Lausitz I. Am schwächsten schnitt die Partei in Potsdam ab.

Die PDS erzielte ihren größten Zuwachs im Wahlkreis Barnim III mit plus 9,9 Prozentpunkten. Kurioserweise verlor sie ausgerechnet im Wahlkreis 25 (Potsdam II) leicht. Hier gewann der PDS-Bundesvorsitzende Lothar Bisky das Direktmandat. Grund für die niedrige Wahlbeteiligung von 54,4 Prozent war dem Landeswahlleiter zufolge unter anderem das schöne Wetter.

Der Landtag, der sich voraussichtlich am 29. September konstituieren wird, hat künftig 89 statt 88 Sitze. Grund dafür ist das Überhangmandat der SPD, die ein Direktmandat mehr gewann als ihr nach den Zweitstimmen zustehen.

SPD verlor 240 000 Wähler

Nach einer Analyse von Manfred Güllner, Chef des Berliner Forsa-Instituts, konnte die SPD ihr Wählerpotenzial nicht annähernd ausschöpfen. Die Partei büßte fast 240 000 Stimmen ein. Die CDU konnte in Brandenburg zwar im Vergleich zur letzten Landtagswahl vor fünf Jahren, als sie nur von jedem zehnten Wahlberechtigten gewählt wurde, fast 92 000 Stimmen mehr verbuchen, musste aber im Vergleich zur Bundestagswahl im vergangenen Herbst 28 000 Stimmen einbüßen.

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