Berlin : In Mathematik sind Berlins Schüler am schlechtesten

Mittlerer Schulabschluss – jeder Fünfte fiel durch. Schulsenator kündigt Konsequenzen an

Sigrid Kneist

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will Konsequenzen aus den schlechten Mathematik-Resultaten bei den Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss ziehen und die Lehrer verstärkt in Fortbildungen einbinden. Zwar nähmen schon jetzt viele die Angebote wahr, „aber die Nachfrage kann noch gesteigert werden“, sagte Böger. Bei der Mathematikprüfung hatten die Zehntklässler berlinweit lediglich einen Notendurchschnitt von 3,7 erreicht. Hauptschüler schnitten dabei besonders schlecht ab. Sie kamen durchschnittlich nur auf Noten von 4,5 bis 5. Die Realschüler waren ebenfalls ein wenig schlechter als 4,0. Lediglich die Gymnasiasten erzielten eine glatte Drei. Insgesamt haben rund 620 Schüler eine Sechs in der Matheprüfung geschrieben.

Als Ursache für dieses schlechte Ergebnis gilt, dass viele Schüler – besonders jene mit Migrationshintergrund – die Textaufgaben nicht verstanden haben. Es sei nicht nur das reine Rechnen gefragt gewesen. Dieses Verständnis für Textaufgaben müsse mehr geübt werden. Trotz dieser schlechten Resultate lehnt es Böger ab, die Bewertungskriterien zu verändern, um das Ergebnis zu heben. Auch die Aufgabenstellung soll nicht einfacher werden. „Wir haben uns an den Standards der Kultusministerkonferenz orientiert“, sagte der Bildungssenator. Allerdings wolle man künftig darauf achten, dass nicht gerade in einer Mathematikaufgabe für Berliner Zehntklässler schwer zu verstehende Begriffe vorkommen.

Besser als in Mathematik waren die durchschnittlichen Ergebnisse in den anderen Fächern: Deutsch 2,8, Englisch 2,9 und Französisch 3,0. In der mündlichen Präsentation in einem von den Schülern gewählten Fach aus den Natur- oder den Gesellschaftswissenschaften lag die durchschnittliche Note bei 2,3.

Große Unterschiede gab es bei der Quote der bestandenen Prüfungen zwischen den einzelnen Schultypen. Berlinweit – quer durch alle Schultypen – erreichten 82 Prozent der Schüler, die verpflichtend die Prüfung absolvieren mussten, den neuen Abschluss. Während aber 96 Prozent der Gymnasiasten bestanden, waren es bei den Realschülern 81 Prozent, 70 Prozent bei den Gesamtschulen und 50 Prozent bei den Berufsfachschulen. Am schlechtesten schnitten die Hauptschulen ab, an denen Schüler teilnahmen, die die zehnte Klasse mit dem mittleren Abschluss beenden wollten: Hier bestanden nur 42 Prozent der Teilnehmer. Auch zwischen den Bezirken werden Unterschiede sichtbar. Die Bezirke mit hohem Migrantenanteil und vielen Schülern aus so genannten bildungsfernen Haushalten liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Als „unbefriedigend“ bezeichnete der Bildungssenator das Abschneiden der türkischstämmigen Schüler, von denen lediglich knapp zwei Drittel der Prüflinge den Abschluss schafften: „Damit kann man nicht zufrieden sein.“ Dabei schaffen es viele türkische Schüler nicht einmal, bis zu dieser Hürde zu kommen. Bei der Einschulung liegt ihr Anteil bei 20 Prozent der Erstklässler, bei den jetzigen Prüfungen machten sie noch acht Prozent aus. Der überwiegende Teil von ihnen verlässt die Schule nur mit dem Hauptschulabschluss oder ganz ohne Qualifikation.

Der neue Schulabschluss ersetzt die mittlere Reife, die früher beispielsweise 85 bis 88 Prozent der Realschüler erlangen konnten. Der mittlere Abschluss gilt nur dann als erreicht, wenn die Prüfungen bestanden werden und das Jahrgangszeugnis die notwendigen Noten aufweist. Wer den Abschluss nicht erhalten hat, kann die Klasse wiederholen. Auch wer als Gymnasiast zwar ein ausreichendes Zeugnis hatte, aber an der Prüfung gescheitert ist, kann nicht in die elfte Klasse wechseln. An der Prüfung nahmen in diesem Jahr rund 28 750 Schüler teil. Den Schulen ist es jetzt freigestellt, die Ergebnisse zu veröffentlichen.

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