Berlin : Indische Träume

Amory Burchard

Draußen regiert der böse Geist des verfrühten Aprilwetters. Eben noch strahlender Abendhimmel über dem Diplomatenviertel in der Tiergartenstraße, im nächsten Moment schnürt der Regen.

Aber Rettung naht, gleich hat uns der Frühling wieder. "The Spirit of Spring" lockte am Sonntagabend die diplomatische Gesellschaft in das Tagore-Kulturzentrum der indische Botschaft. In edle Seidenstoffe gehüllte Damen schleusen sie ins Innere, wo Botschafter Ronen Sen einen mutigen Schritt nicht nur in die nächste Jahreszeit wagte. Mit der Modenschau der Designerin Anjana Bhargav aus Neu Delhi will er ein neues Bild seines Staates vermitteln: "Indien ist mehr als alte Geschichte und Kultur, mehr als Philosophie."

Und wirklich: Im Tagore-Zentrum entfaltet sich ein traumhaft schönes Spiel mit Seidenstoffen, Musik und Tanz, vorgeführt von sieben eigens eingeflogenen indischen Topmodells. Anjana Bhargavs Stil ist im Stoff minimalistisch, in den Farben und Mustern überbordend. Ihre Tops aus Chiffon, Organza und Georgette bedecken nur das Nötigste. Die Hüfthosen und Wickelröcke aus denselben edlen Stoffen beginnen erst einige Finger breit unter dem Nabel. Die Beinkleider wieder sind oft bis zum halben Oberschenkel herauf geschlitzt und im unteren Teil transparent. So freizügig die Kollektion, so sexy die Modells und so hipp der instrumentale indische Fusionpop, der dazu gespielt wird, so poetisch und doch wieder traditionell ist die Inspiration der Designerin und der Choreographin der Show.

Angeregt wurden sie von der Poesie des indischen Nationaldichters Kalidasa, der schon vor Jahrhunderten schrieb: "Erfasst vom Fieber des Frühlings legen die Menschen schnell ihre schweren Kleider ab und tragen statt dessen dünne." Diesen und auch tiefsinnigere Gedanken des Dichters verkörperte im Tagore-Zentrum auch die gefeierte indische Tänzerin Geeta Chandran. Sie eröffnete die Show mit dem zarten Spiel ihres Köpers, mit den grazilen Bewegungen ihrer Hände.

Die Gattin des Botschafters, Kalpana Sen war überrascht über die Reaktionen der weiblichen Gäste. Nicht nach der großen Kunst der Geeta Chandran wurde sie gefragt, nicht nach der Komposition, nicht nach der Poesie. "Wo kann man es kaufen?" wollten die Damen wissen. Die Antwort steht im Internet - www.anjanabhargav.com

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