Berlin : Infernalisch

Andreas Conrad

Allenthalben wird jubiliert, wie super der Filmstandort Berlin inzwischen ist. Premierenmetropole! Drehort Nr. 1! Lola fast gleichauf mit Oscar! Das alles ist wahr, und doch nur die halbe Wahrheit. Denn auf der anderen, dunklen Seite brüten die Drehbuchautoren finstere Katastrophenszenarien aus, in denen sie die Stadt, die sie doch nährt, mit Begeisterung in klitzekleine Teilchen zerlegen. Zerstörungswut macht sich breit, die kindlich zu nennen wäre, entdeckte man hierin nicht einen alten Bekannten: den Anti-Berliner. Er hat sich schick gemacht, behängt sich mit Glanz und Glamour, aber will doch nur eines: Berlin platt machen! Dass es mittlerweile Hauptstadt ist – umso besser. Freilich, an sich ist der Anti-Berliner nur ein Nachahmungstäter. Wie jetzt auf dem Fernsehturm wurde schon vor über 30 Jahren in San Francisco in einen Wolkenkratzer ein „Flammendes Inferno“ entfacht, auch für die anderen Berlin zugedachten Katastrophen gibt es Vorbilder, von „Deep Impact“ über „The Day After Tomorrow“ bis zu „Twister“. So bleibt die ernüchternde Erkenntnis: Berliner Katastrophen – das ist Hollywood für Arme.

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