Initiative : Eltern wollen auf höheres Kindergeld verzichten

Eine Berliner Eltern-Initiative kritisiert die Erhöhung um 20 Euro. Das Geld soll nicht in der Haushaltskasse von Gutverdienern verschwenden - sondern vielmehr gespendet werden.

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Nicht jedes Geschenk weckt Freude. Daniel Mittler und Kathrin Blaufuss haben gerade, wie alle Eltern in Deutschland, monatlich 20 Euro geschenkt bekommen. Um diesen Betrag nämlich hat die schwarz-gelbe Bundesregierung das Kindergeld auf jetzt 184 Euro aufgestockt. Doch die beiden wollen das Geld nicht. „Die Kreuzberger Kita unserer Tochter braucht das Geld viel nötiger. Dort müssen alle Anschaffungen, die über das Minimum hinausgehen, von den Eltern privat bezahlt werden. Das Kindergeld zu erhöhen ist die falsche Politik.“ Und weil das Ehepaar bei einem gemeinsamen Abendessen mit anderen Eltern und später über E-Mails mitbekommen hat, dass viele genauso denken, haben sie zu Beginn des Jahres eine Initiative gegründet. Auf der Webseite www.kindergeld-richtig-investiert.de rufen sie dazu auf, die 20 Euro im Monat nicht in der eigenen Haushaltskasse verschwinden zu lassen, sondern sie an eine Kita, einen Kindergarten, eine Schule oder Bildungseinrichtung der eigenen Wahl zu spenden. Die Kontonummern der jeweiligen Institution recherchieren die Spender dabei selbst.

Daniel Mittler findet drastische Worte bei seiner Kritik am sogenannten Gießkannenprinzip, nach dem alle Eltern, unabhängig vom Einkommen, Kindergeld erhalten: „Insgesamt kostet diese Erhöhung den Staat 4,2 Milliarden Euro. Davon könnten zum Beispiel rund 166 000 Erzieherinnen eingestellt werden. Das Geld wird den Institutionen geraubt, die es dringend nötig haben.“ Denn laut einer Untersuchung der „Financial Times“ würden vor allem viele besserverdienende Haushalte die 20 Euro nicht brauchen. Hartz-IV-Empfänger dagegen wird es von der Unterstützung wieder abgezogen: „Das ist das eigentlich Absurde“, kritisiert Mittler. Er fordert ein einkommensabhängiges Kindergeld an diejenigen, die es wirklich brauchen, um mit dem restlichen Geld die Kitas und Schulen direkt zu unterstützen.

Die beiden leben schon viele Jahre in Berlin, er kommt ursprünglich aus Heidelberg, sie aus dem Allgäu. Ihre Tochter ziehen sie im Kreuzberger Graefekiez groß. Daniel Mittler, 36, arbeitet bei der Europäischen Klimastiftung in den Hackeschen Höfen, Kathrin Blaufuss, 32, beim Forum Umwelt und Entwicklung, einer Nichtregierungsorganisation. Als „kritische Zeitgenossen“ beschreiben sie sich, die das Problem parteiunabhängig angehen. Denn auch die schwarz-roten und die rot-grünen Vorgängerregierungen hätten das Kindergeld erhöht. Nach ihrer Erfahrung gehe die Ablehnung dieser Politik quer durch alle Wählerschichten. Eltern, die schwarz-gelb wählen, seien ebenso darunter wie solche, die andere Parteien unterstützen. Bundesweit haben, seit die Webseite online gegangen ist, rund 80 Eltern die 20 Euro gespendet, wobei Daniel Mittler von einer hohen Dunkelziffer ausgeht, denn er kennt nur die, die auf der Webseite auch einen Kommentar hinterlassen oder sich per E-Mail gemeldet haben.

Wer spendet, wird auch aufgefordert, einen vorformulierten Leserbrief zu unterzeichnen oder diesen Brief an die eigene Lokalzeitung zu schicken. Darin steht dann zum Beispiel, dass Deutschland nicht mehr Kindergeld, sondern bessere Kinderbetreuung brauche. Andere Initiativen gehen sogar noch weiter. So schlägt zum Beispiel die neu gegründete Deutsche Stiftung Kindergeld (Informationen unter Tel. 030/25767638) vor, dass Eltern mehr vom Kindergeld spenden sollen als nur die 20 Euro pro Monat – nämlich den Teil, den sie nicht brauchen. Daniel Mittler sagt dazu: „Das begrüßen wir natürlich. Aber unsere Aktion ist vor allem ein symbolischer Akt, mit dem wir deutlich machen wollen, dass wir dieses Geschenk nicht annehmen und eine andere Familienpolitik fordern.“ Und so sollen die Briefe bald auch an die Bundesfamilienministerin gehen. 

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