Berlin : Insolvenzgefahr: Droht dem Tacheles jetzt das Aus?

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Das Kulturhaus Tacheles in der Berliner Oranienburger Straße in Mitte läuft nach Aussage des Geschäftsführers Gert-Andreas Oberfell Gefahr, in Insolvenz zu gehen. Der 80 Mitglieder zählende Kunstverein erhielt am Montag einen Brief von Kultursenator Christoph Stölzl, in dem er die Einstellung der Fördergelder für das Tacheles ab dem Jahr 2001 ankündigt. "Aufgrund des zunehmenden Zwangs zur Absenkung der Neuverschuldung waren finanzwirksame Maßnahmen unumgänglich, weshalb wir Ihnen leider die Mitteilung machen müssen, dass die Förderung Ihrer Einrichtung ab dem Jahr 2001 eingestellt werden muß", so der Wortlaut. Es bleibe dem Tacheles unbenommen, "erforderliche Finanzhilfen über den Hauptstadtkulturfonds oder die DKLB-Stiftung", also Lottogelder, zu beantragen. Das Tacheles erhält in diesem Jahr rund 300 000 Mark Fördermittel. Diese Gelder sind ausschließlich für Kunstprojekte vorgesehen und nicht Teil der baulichen Eigenleistungen des Tacheles in Höhe von drei Millionen Mark. Die laufenden Baumaßnahmen werden sieben Millionen Mark kosten, so Oberfell. Die Ankündigung des Kultursenators, die Förderung für das Tacheles gänzlich zu streichen, kommt für Oberfell völlig überraschend: "Wir hatten bisher ein sehr gutes Einvernehmen mit der Verwaltung und auch mit dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses." Das Tacheles sei von der Senatsverwaltung immer als "Kunst-Aushängeschild" gepriesen worden. Aufgrund der Stölzl-Ankündigung sehe man sich nun auch in einer kulturpolitischen Verantwortung für andere freie Träger. Sollte Stölzl seine Ankündigung wahr machen, kündigte Mario Stumpfe, künstlerischer Leiter des Theaters im Tacheles, für 2001 ein ganz anderes Kunstprojekt an. "Führungen durch den Kulturleerstand" würde man dann anbieten. Von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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