Integration : Die Bildung der Mütter ist entscheidend

27.01.2008 00:00 UhrVon Ulrich Zawatka-Gerlach

Migrantenkinder, deren Mütter besser gebildet sind, haben größere Chancen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Nicht der Unterschied zwischen Kulturen und Nationen sei der Hauptgrund für die Probleme von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft, so eine Studie.

Hamburg/BerlinVielmahr seien das teilweise extrem niedriges Bildungsniveau, schlechte Sprachkenntnisse und mangelnde Förderung in der Schule dafür verantwortlich. Das ist das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen, die der Psychologe Haci-Halil Uslucan von der Universität Potsdam auf der Klausurtagung der SPD-Abgeordnetenhausfraktion gestern in Hamburg vorstellte.

Die Einflüsse des Herkunftslands auf Migrantenfamilien und deren Kinder würden in der öffentlichen Wahrnehmung überschätzt, sagte der Wissenschaftler. So gebe es kaum Unterschiede in der Wertehierarchie. Bei deutschen und ausländischen Familien stünden familiäre Sicherheit, Freundschaft und Freiheit an vorderster Stelle.

Die Bereitschaft zur Integration sei bei den Migranten allgemein groß. „Separatistische Orientierungen nehmen zu, je geringer die Bildung ist.“ Leider gebe es, auch in Berlin, sehr viele Mütter, die nur den (fünfjährigen) türkischen Grundschulabschluss hätten. Das wirke sich auf den Erziehungsstil aus, der in bildungsfernen Schichten eher autoritär sei oder aber die Kinder vernachlässige.

Zuwendung zeigen und gleichzeitig klare Regeln für die Kinder aufstellen, so Uslucan, habe sich in Deutschland als erfolgreiche Erziehungsform bürgerlicher Schichten auch erst seit den siebziger Jahren entwickelt. Bei den Türken spiele immer noch die Verhaltensdisziplin (etwa Höflichkeit oder ordentliches Grüßen) und die religiöse Orientierung eine größere Rolle.

Auch die aktive Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen ist nach Einschätzung Uslucans keine Frage der nationalen Herkunft. „Wenn die Mütter gut integriert sind, und wenn sie bei der Erziehung weniger Gewalt anwenden, ist auch die Gewaltausübung der Kinder gering.“ Allerdings: Türkische Jungen, vorrangig aus der Unterschicht, hätten eine höhere Gewaltakzeptanz als deutsche Kinder. Sie seien mehr mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern konfrontiert. Außerdem kämen die jungen Männer mit der „wachsenden Macht der Frauen“ und dem überall sichtbaren Erfolg der höher Gebildeten nicht zurecht.

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