Integration in Berlin : Weniger Geld für Lehrer in Willkommensklassen

Im neuen Schuljahr sollen Lehrer in Willkommensklassen über 300 Euro weniger bekommen. Oft trifft es Nachwuchskräfte.

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Willkommensklassen sollen Flüchtlingen den Schuleinstieg ermöglichen.
Willkommensklassen sollen Flüchtlingen den Schuleinstieg ermöglichen.Foto: picture alliance / dpa

Sie hat zwölf Schülern aus acht Ländern Deutsch beigebracht, dazu die Fächer Mathematik, Sachkunde, Kunst und Sport unterrichtet, mit Eltern über die Einhaltung der Schulpflicht gestritten und Kindern Werte wie Religionsfreiheit und Gleichberechtigung vermittelt. Nun ist das Schuljahr erfolgreich zu Ende gegangen, aber ab sofort verdient Sarah Block über 300 Euro pro Monat weniger.

Was absurd klingt, ist eine Folge des neuen Tarifvertrags zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder und dem Beamtenbund: Der sieht vor, dass Lehrkräfte in Willkommensklassen nur noch in der Entgeltgruppe E 9 (2570 Euro) bezahlt werden dürfen, wenn sie keine ausgebildeten Lehrer sind. Für die Stufe E 10 (2900 Euro) muss man zumindest Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache studiert haben. Sarah Block hingegen hat ihr Examen in BWL, Spanisch und Italienisch.

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Willkommensklasse in Berlin-Neukölln
Willkommensklasse in Berlin-Neukölln

Immer wieder werden Nachwuchskräfte schlechter bezahlt

Der Fall ist exemplarisch: Trotz des Lehrermangels passiert es immer wieder, dass Nachwuchskräfte durch eine verschlechterte Bezahlung verprellt werden. Zuletzt betraf dies die Grundschulreferendare, die sich bereit erklärt hatten, vorzeitig in ein berufsbegleitendes Referendariat zu wechseln: Auch sie stutzten bei der Lektüre ihrer neuen Verträge, weil sie ebenfalls mehrere hundert Euro weniger verdienen sollten als angekündigt.

Im Falle der Referendare teilte die Bildungsverwaltung mit, dass sie die Eingruppierung aktuell auf der Grundlage des geltenden Tarifwerks prüfe: „Sofern die Möglichkeit besteht, wollen wir in jedem Fall in E 11 eingruppieren“, sagte Sprecherin Beate Stoffers. Zuvor hatte der Gesamtpersonalrat auf dieses Problem aufmerksam gemacht. „Wir kämpfen um jeden Einzelfall“, sagte GEW-Hochschulexperte Matthias Jähne auf Anfrage.

Keine Entwarnung gibt es für Lehrer wie Sarah Block. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Einzelfällen bei der Eingruppierung nach dem nunmehr gültigen Tarifwerk zu einer Schlechterstellung im Vergleich zur vorherigen Eingruppierung kommt“, räumte Stoffers ein. Aber das ist nicht das einzige Problem: Lehrer wie Sarah Block müssen sich jetzt abermals mit einem Fristvertrag begnügen. Auch das ist kein Einzelfall. Kündigen will sie dennoch nicht, denn die Arbeit mit den Flüchtlingskindern in ihrer Hermsdorfer Grundschule mache ihr „100 Millionen Prozent Spaß“.

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