Internationaler Frauentag in Berliner Kinos : Filme, Frauen, Feminismus

Am Frauentag zeigt das Z-inema in Mitte die Kurzfilmreihe „Women in Revolt“. Und bei der Berlin Feminist Film Week laufen eine Woche Filme von Frauen.

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Demo zum Frauentag 2015 in Berlin.
Demo zum Frauentag 2015 in Berlin.Foto: Imago

Ausgerechnet das Z-inema haben sich die Londoner Kuratoren für ihre Kurzfilmreihe „Women in Revolt“ ausgesucht, die sie am Internationalen Frauentag hier zeigen. Ausgerechnet, denn in dem kleinen Independent-Kino mit Bar- und Kulturbetrieb in der Nähe des Rosenthaler Platzes herrscht Männerüberschuss.

Preisgekrönte internationale Filmreihe gastiert in Berlin

„Wir waren ihnen am sympathischsten, lautete die Begründung“, sagt Thomas Wind, einer der drei Männer hinter dem „Z“ und verantwortlich für das Kinoprogramm. Außerdem sei die Größe des Kinos mit den 60 Plätzen gut geeignet, und dann ist da noch die Z-Bar, wo man vor oder nach dem Kinobesuch noch eine rauchen und einen Cocktail trinken kann. Die Bar ist in der Hand der einzigen Frau im Team – „und insgeheim hat die hier auch ein bisschen die Hosen an“, sagt Wind.

Seit 1999 kümmert sich der 48-Jährige neben seinem Beruf als Kameramann um das kleine, aber feine Programm des Z-inema. Nur Independent-Filme laufen hier, vor allem Genre-Filme und Dokumentationen. Die preisgekrönte Kurzfilmreihe „Women in Revolt“ der britischen Kurzfilm-Firma „Shorts on Tap“ passt bestens ins Programm. Sieben Kurzfilme von Filmemacherinnen werden am 8. März gezeigt.

"Die Filmbranche ist immer noch eine Männerdomäne"

Darunter „Domoj“ („Zuhause“) der in Israel geborenen und in Berlin aufgewachsenen Simona Feldman: Juri wird in der ehemaligen Sowjetunion groß und muss damit umgehen lernen, dass sein innig geliebter Vater ihn verlässt, um in Deutschland Geld zu verdienen. Weniger konkrete Handlung, dafür umso mehr starke Bilder und Töne gibt es in „Tristes Déserts – A Robot’s Tale“. Der Acht-Minüter der Österreicherin Stephanie Winter gleicht eher einem Musikvideo, ein Spiel zwischen Barock und Science-Fiction, Tenorstimme und elektronischem Sound, Mensch und Maschine.

Mann fürs Programm. Thomas Wind im Saal des Z-inema.
Mann fürs Programm. Thomas Wind im Saal des Z-inema.Foto: Privat

„Eigentlich schade, dass es überhaupt eines speziellen Tags bedarf, um solche Filme zu zeigen“, sagt Thomas Wind, der auch drinnen Hut und Schal trägt, bei einer Club Mate kurz vor Filmbeginn. Er selbst mache bei seiner Filmauswahl keinen Unterschied, ob er nun von einem Mann oder einer Frau ist. Das führt aber dazu, dass deutlich mehr Filme von Männern gezeigt werden. „Die Filmbranche ist leider immer noch eine Männerdomäne.“

Insgesamt 36 Filme werden auf der Feminist Film Week gezeigt

Aus demselben Grund entstand vor zwei Jahren auch die Berlin Feminist Film Week. Vom 8. bis zum 14. werden in Berliner Off-Kinos wie dem Sputnik und dem Babylon Filme von Frauen und überwiegend über Frauen gezeigt. „Männer haben nach wie vor mehr Platz in der Filmwelt, sowohl vor als auch hinter der Kamera“, sagt Karin Fornander, Organisatorin und Kuratorin der Filmwoche.

„Wenn ich einen Film sehe, möchte ich mich mit den Protagonisten identifizieren können. Aber bei den meisten Filmen gelingt mir das nicht, weil die Hauptrolle ein Mann spielt.“ Die Politik- und Sozialwissenschaftlerin interessiert sich für Feminismus, über ihre Mitarbeit beim „Mobilen Kino“, das Kinovorführungen an verschiedenen Orten in Berlin organisiert, kam sie zur Feminist Film Week.

Film von einer feministischen Regisseurin aus Bangladesh

Insgesamt 36 Filme werden gezeigt, außerdem gibt es fünf Podiumsdiskussionen, unter anderem über die „Darstellung von Lesben auf der Leinwand“ im SchwuZ und „Frauen in der Komödie“. Besonders stolz ist Fornander auf die Deutschlandpremiere des Films „Under Construction“ der Filmemacherin Rubaiyat Hossain: „Eine Regisseurin aus Bangladesh ist schon eine Rarität. Und dann auch noch eine Feministin!“

Beim Besuch im Z-inema eine Woche vor dem Internationalen Frauentag ist das Publikum überwiegend männlich. Das könnte aber auch am Film liegen, dem düsteren russischen Experimental-Drama  „Es ist schwer, ein Gott zu sein“, der drei Stunden dauert. Auch wenn der eine oder andere der am Internationalen Frauentag gezeigten Kurzfilme vielleicht nicht dem Geschmack des Massenpublikums entspricht – Überlänge muss man jedenfalls nicht befürchten.

„Women in Revolt“ heute ab 20 Uhr im Z-inema in der Z-Bar, Bergstraße 2, 10115 Berlin, www.z-bar.de. Berlin Feminist Film Week, 8.-14. März, mehr Infos zum Programm unter www.berlinfeministfilmweek.com

Infos zu Partys und Konzerten zum Frauentag in Berlin gibt's hier.

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