Berlin : Investoren zeigen Interesse am Viktoria-Quartier

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Nach der Pleite der Bauherren im Kreuzberger Viktoria-Quartier erwägen jetzt rund ein Dutzend Interessenten, den Umbau der ehemaligen Schultheiss-Brauerei an der Methfesselstraße fortzusetzen. "Mit mehreren ernstzunehmenden Investoren werden bereits intensivere Gespräche geführt", teilte der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Peter Leonhardt auf Anfrage mit. Ein Abschluss der Verhandlungen sei allerdings noch nicht absehbar.

Widersprüchliche Angaben gibt es zur Rolle der Firma Wert-Konzept, die zum Immobilienkonzern IVG gehört. Geschäftsführer Reinhard Müller sagte, sein Unternehmen sei nicht am Viktoria-Quartier interessiert. Er habe das Gelände lediglich einmal besichtigt. Dagegen hieß es aus üblicherweise glaubwürdigen Branchen- und Behördenkreisen, die Firma prüfe die Wirtschaftlichkeit und wolle die Berechnungen in rund drei Wochen abschließen. Mitarbeiter hätten die Ex-Brauerei einige Male aufgesucht. Müller suche sogar schon Personal für das Projekt.

Denkmalgeschützte Industriebauten gehören bereits zum Bestand der Wert-Konzept. In Friedrichshain baut die Firma die so genannten Spreespeicher um. In einen davon will im Juli kommenden Jahres der Musik-Konzern Universal einziehen, der seine Unternehmenszentrale von Hamburg nach Berlin verlagert. Der Konkursantrag für das Viktoria-Quartier war Ende September wegen "unabsehbarer" Mehrkosten gestellt worden.

An der früheren Projektgesellschaft beteiligt waren zwei der größten deutschen Immobilienunternehmen: die Deutsche-Bank-Tochterfirma Deutsche Grundbesitz und die Viterra, die ihrerseits zum E.on-Konzern gehört. Einige Loft-Wohnungen und Gewerberäume sind bereits fertiggestellt. Ursprünglich waren Investitionen von insgesamt 300 Millionen Mark geplant. Bereits der erste Bauabschnitt wurde allerdings weitaus teurer als erwartet und kostete annähernd 190 Millionen Mark.

Für die geplanten Museumskeller der Berlinischen Galerie liegt noch ein Bauantrag vor, den die früheren Investoren kurz vor ihrem Rückzug gestellt hatten. Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) hatte die Unterlagen zunächst als "nicht bearbeitungsfähig" eingestuft, weil sie vor Fehlern und Ungenauigkeiten strotzten. Inzwischen hat das bezirkliche Bauamt den Antrag jedoch in vielen Punkten überarbeitet, so dass ein neuer Investor die Genehmigung laut Schulz bekommen könnte. Auch die Kostenberechnungen für den Museumsstandort sind immer mehr in die Höhe gegangen, zuletzt wurde die nötige Summe auf 44 Millionen Mark geschätzt.

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