Berlin : IT-Firma kämpft ums Überleben Gericht verlangt Sanierungsplan

Teltow - Der deutschlandweit aktive IT-Dienstleiter Nextira One Deutschland mit Sitz in Teltow ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten, strebt jedoch nach eigenen Angaben eine Sanierung in Eigenregie an. Einem entsprechenden Antrag ist beim Amtsgericht Potsdam stattgegeben worden, teilte das Unternehmen bereits am Montag mit. Als vorläufiger Sachverwalter wurde Christian Graf Brockdorff von der Kanzlei BBL Bernsau, Brockdorff & Partner aus Potsdam eingesetzt. Zu den Kunden von Nextira One gehören das Bundeskanzleramt, die Berliner Feuerwehr, die Landesregierung Brandenburg, das Bergmann-Klinikum Potsdam und das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Nach Vorgabe des Amtsgerichts muss das Unternehmen nun innerhalb von drei Monaten einen Sanierungsplan vorlegen. Laut Geschäftsführer Bernd Ruppert ist Nextira One nicht zahlungsunfähig und somit nicht insolvent. Die Mitarbeiter erhalten während des Schutzschirmverfahrens Insolvenzgeld. Nextira hat bundesweit 800 Mitarbeiter, 300 davon in der Deutschlandzentrale in Teltow. Das Unternehmen müsse umstrukturiert werden, damit es erhalten werden kann. Ein Verkauf oder die Zerschlagung stünden nicht zur Disposition. Ob und wie viele Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, sei unklar.

Das Schutzschirmverfahren gibt es erst seit dem 1. März 2012, es beruht auf dem Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen. Es soll Insolvenzen vorbeugen und Unternehmen, denen Zahlungsunfähigkeit droht, die Möglichkeit zu einer Art Notbremsung geben: Sie erhalten die Chance, die Insolvenz in Eigenregie und bei laufenden Geschäften abzuwenden – bei gleichzeitigem Schutz vor Vollstreckung von Forderungen. Dies soll auch vor der Zerschlagung sanierungsfähiger Firmen schützen.

Nextira One – vor zehn Jahren aus dem französischen Alcatel-Konzern ausgegründet – habe nie schwarze Zahlen geschrieben und sei nur ungenügend auf die Herausforderungen in der Kommunikationssparte vorbereitet, sagte Ruppert weiter. Nextira One, das unter anderem Telefonnetze und -zentralen und andere Kommunikations- und Netzwerkdienstleitungen anbietet, habe in den vergangenen drei Jahren jeweils zehn Millionen Euro Verlust gemacht – bei einem Umsatz von 180 Millionen Euro im Jahr. Bislang seien die Verluste stets über die Europazentrale der aus 16 nationalen Tochtergesellschaften bestehenden Holding in Paris ausgeglichen worden. Doch angesichts der Lage etwa in den südeuropäischen Staaten und der dort wegbrechenden öffentlichen Aufträge sei die Muttergesellschaft nicht mehr bereit, die Verluste in Deutschland auszugleichen. Erst Anfang 2011 hatte der deutsche Ableger der Firma seinen Hauptsitz nach Teltow verlegt – von Berlin-Tempelhof. Brandenburg förderte den Umzug mit 9,8 Millionen Euro. pet/alm/mat

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