ITB-SERVICE : Currywurst und Stöckelschuh

Berlin bei der ITB? „Könnse nich’ vafehln!“ Wir haben nachgeschaut, wie sich die Stadt auf ihrer eigenen Touristenbörse präsentiert.

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Dit is Berlin! Rot präsentiert sich die Stadt – und mit wenig überraschenden Attraktionen. So unfertig wie Berlin wirkt auch der ITB-Stand. Foto: Sebastian Dudey
Dit is Berlin! Rot präsentiert sich die Stadt – und mit wenig überraschenden Attraktionen. So unfertig wie Berlin wirkt auch der...

Sagen Sie mal, wo geht’s hier eigentlich nach Berlin? Unterm Funkturm ist das eine eher ungewöhnliche Frage, aber eine halbe Stunde nach Eröffnung der ITB auch nicht mehr so originell, als dass der Mann mit dem Knopf im Ohr nicht eine gelangweilte Antwort herunterrasseln würde: „Könnse nich’ vafehln, junga Mann, imma nach links.“ Na, das passt ja immerhin politisch.

Bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) präsentiert sich Berlin seit Mittwoch als Tor zur Welt. Nun hat aber die Bundeskanzlerin pünktlich zur ITB-Eröffnung ihr Volk aufgefordert, die Welt ruhig Welt sein zu lassen und wieder öfter in Deutschland Urlaub zu machen. Und weil die Deutschen bekanntlich viel und gern für ihre Hauptstadt bezahlen, schauen viele von ihnen auch mal vorbei und nach, was so alles mit ihrem Geld angestellt wird. Das lässt sich im Bus 100 zwischen Zoo und Alex erledigen, beim Bummel über Ku’damm und Friedrichstraße oder bei der ITB. In Halle 12, wo sich Berlin und Brandenburg so selbstverständlich die Ausstellungsfläche teilen, als sei das gemeinsame Bundesland eine Herzensangelegenheit wie Klaus Wowereit der Bahntunnel durch seinen Lichtenrader Jugendkiez und Matthias Platzeck eine Meisterschaft für Turbine Potsdam.

Vorbei also am Infostand der BVG und der Ausstellungsfläche des künftigen Großflughafens. Eine Werbetafel listet auf, wie viele Piers mal wie lang sein werden und dass das Besucherzentrum bereits zu Tagungen einlädt. Flugzeuge sind vorsichtshalber nicht abgebildet. Käme ähnlich exotisch rüber wie die Palmen, mit denen gleich nebenan die Tropical Islands werben. Diese Brandenburger Ferienlandschaft logiert bekanntlich in einer Halle, in der mal Luftschiffe gebaut werden sollten. Wer weiß, was den Industrielandschaftsplanern mal für die Schönefelder Betonbrache einfallen wird.

Halle 12 ist, trotz aller Gemeinsamkeiten, doch deutlich aufgeteilt. Rechts wirbt Brandenburg mit sanftem Grün und dem Aphorismus „Das Weite so nah“. Berlin ist links und rot und vermarktet sich bemerkenswert minimalistisch als „Berlin“. Das ist eingängiger als das superkreative „Be Berlin“, aber nicht ganz so teuer (obwohl – wer weiß…). 44 leuchtend rote Stände schlängeln sich an einem virtuellen Wellenband entlang. Die Palette reicht vom Currywurstmuseum und Käthe Wohlfahrt bis zu Potsdamer Platz und Waldorf Astoria. Eine zentrale Fläche widmet sich der Ausstellung „Berlin Brands“. Zukunftsträchtige Berliner Marken sind: eine durchsichtige Wasserflasche. Ein Zwischending zwischen Einkaufswagen und Motorroller. Vier überdimensionierte Armbanduhren. Und ein modellierter Stöckelschuh, er erinnert an das Modell, aus dem Klaus Wowereit mal Champagner getrunken hat.

Ziemlich weit vorn, eingeklemmt zwischen Tourismus-Schule und Herder Studienreisen, präsentiert sich die Basis. Broschüren mit Bildern aus Berlins Bezirken. Köpenick-Treptow wirbt überraschenderweise mit dem Hauptmann, Charlottenburg mit „mehr als Kurfürstendamm“. Neukölln ist „der zurzeit bekannteste Berliner Bezirk“, dessen Straßen „die Laufstege internationaler Nachwuchsdesigner sind“. Spandau hat den alten Tagesspiegel-Slogan „Immer besser“ geklaut. Hier und da gibt es Lücken, zum Missfallen der dafür zuständigen Damen. „Hmm, guck mal, da könnte Reinickendorf rein und da Mitte, aber ein Bezirk fehlt doch noch.“ – „Vielleicht Lichtenberg?“

Macht nichts, ist ja noch Zeit, die ersten Tage gehören dem Fachpublikum, Rollkoffer ziehenden Frauen und Männern in dunklen Kostümen und Anzügen. Erst am Wochenende kommt die Allgemeinheit mit Ruck- und Jutesäcken, in denen dann massenweise Kataloge und Kugelschreiber und Gummiampelmännchen verschwinden dürften. Berlin bleibt eben doch Berlin, auch in Halle 12.

Mehr heute auf Seite 17 und morgen auf unserer Seite Berlin-Extra.

Die ITB präsentiert sich noch bis zum 10. März auf dem Messegelände ICC. Privatbesucher können die Messe am Wochenende, täglich von 10 bis 18 Uhr Uhr besuchen.

Das Tagesticket, gültig am Samstag oder Sonntag, kostet auf der Onlineseite der ITB 12 Euro, vor Ort 14,50 Euro. Schüler und Studenten bekommen ihr Ticket vergünstigt für 8 Euro. Zudem gibt es das Last-Minute-Ticket für ebenfalls 8 Euro, gültig am 10. März ab 14 Uhr. Diese Tickets können nur vor Ort erworben werden. Kinder unter 14 Jahren erhalten in Begleitung eines Erwachsenen kostenlosen Zutritt.

Es wird angeraten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Für Messebesucher mit Auto stehen Parkplätze direkt am Messegelände und zusätzlich am Olympiastadion zu Verfügung. Von dort fahren Shuttlebusse zur Messe. am

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